Schön, wenn man beim spazierengehen den Fotoapparat dabei hat.
Dann gibt es solche Schnappschüsse.
Wie es guckt!
Kurz darauf läuft uns noch ein Reh über den Weg.
Diese Woche war anstrengend.
Der Bub kommt jeden Tag grantig von der Schule heim. Nicht, dass es an der Schule liegen würde. Es muss mit der Situation zu tun haben.
Entwurzelt aus der voherigen Einrichtung. Noch nicht angekommen im Neuen ...
Mittags dann nach Hause, wo er doch auch so gern in die Tagesstätte gehen würde.
Egal wie ich ihn empfange, was ich sage, oder nicht sage. Alles ist falsch, auch wenn ich nur kurz "Hallo" in seine Richtung nicke.
Sofort schreit er mich an. Sofort ist er laut, und wie .... Ausdrücke, die wir vorher nicht von ihm kannten.
Ein Beispiel?
Er mag Schwimmen. Im letzten Schuljahr, warum auch immer, ist der Schwimmunterricht ganz oft ausgefallen. Darüber war Robert unglücklich.
Nun in der neuen Schule fand von Anfang an der Schwimmunterricht statt. Er freut sich, ist ganz aufgeregt.
Gestern kam er nach Hause, kommt zur Tür rein, sagt noch "Ich bin wieder da!" ... Mama freut sich, weil er "normal" ist ... "Hallo Robert, wir können gleich essen! Wie war denn der Schwimmunterricht?"
Ein seltsamer Blick vom Kind.
"Du kannst es vergessen. Ich schau nämlich jetzt Fernseh!"
"Später, nun gibt es Mittagessen, danach Hausaufgaben, dann hab ich noch eine Idee was wir tun können!"
"Du spinnst doch, ich schau jetzt Fernseh!"
Den weiteren Wortlaut erspar ich Euch. Ich hab fast die Nerven verloren.
Das ist ganz neu, diese Ausdrücke!
Er hat sich vor den Fernseher gesetzt.
Dann stürmt er plötzlich nach unten, holt sich das Essen und nimmt es mit nach oben. Völlig verändert im Tun, ein seltsames Geschau ... andere Welt!
Da wurden mehrere Regeln gebrochen. Einfach "Fernseher an" geht gar nicht. Essen oben auch nicht .... dieses Geschrei ... wer soll das aushalten?
Wisst Ihr was? Am liebsten würde man, würde also ich .... nein, ich kann ich ja nicht den Hintern aushauen. Ich seh ja, dass er völlig zu ist, gar nicht hört was ich sage ....
Ich sass in der Küche, kann von dort nach oben sehen und ihn beobachten. Wie ein Fremdling sitzt er da auf dem Sofa ....
Das was ich dann gemacht habe, hab ich mich noch nie getraut.
"Robert, auf Wiedersehen, ich geh jetzt!"
Jacke an, und Mama geht weg. Nein, nicht um ihn zum nachlaufen zu bringen! Ich konnte weder dieses fremde Getue noch sein unverschämtes Geschrei ertragen. Und wie gesagt, wenn ich nun auch schreien anfange, oder gar mehr .... das geht gar nicht.
Draussen bin ich eine Runde durch die Strassen gelaufen, hab dank Handy den Robert-Papa angerufen. Der ist auch ratlos. Solche Stunden gab es nun schon öfter ....
Noch nie haben wir ihn allein gelassen.
Nach einer halben Stunde bin ich wieder nach Hause. Robert kommt mir entgegen, ganz kleinlaut.
"Entschuldigung Mama, ich wollte keinen solchen Anfall haben!"
Mamas von Kindern mit Autismus müssen den Schalter umlegen können.
Sofort und ohne nachtragend zu sein.
Es ist mir gelungen! Aufgebaut hat mich später Roberts Autismus-Fachfrau-Kinderärztin.
Sie ist sich sicher, dass er dieses Verhalten nicht steuern kann. Sie hat mir nun einen Termin ausgemacht bei einer Psychologin. Wir wollen rausfinden, wie man auf so ein Verhalten reagieren kann. Wobei Frau Doktor eine der wenigen ist, die meine Reaktion gut fand.
Erzählt so was anderen Menschen! ... ich kann es nicht mehr hören, dass er nicht richtig erzogen ist, dass man da mal anders durchgreifen muss! Auch liebe Menschen die ihn schon immer kennen, würden scheinbar die Prügelstrafe anwenden..... sagen durch die Blume, dass es doch auch an uns als Eltern liegen muss. Ach ja ....
Ich selber finde nichts mehr normal .... die letzten Tage schon gleich gar nicht mehr.
Es schleicht sich der Gedanke ein, doch eine Anmeldung in einer Einrichtung zu machen .... da würde er von Montag bis Freitag dort bleiben, Schule und Leben in einem.
Gut war, dass Susanne nicht daheim war. Sie trägt eh so viel.
Gut war, dass Robert Papa und Mama hat, wir helfen uns gegenseitig das auszuhalten.
Gut war, dass die Ärztin immerwieder Geduld hat den Autismus zu erklären.
Gut ist, dass ich ein Autismus-Handbuch habe, in dem ich dann zum 1000 Mal die halbe Nacht lese, mich beruhige, und erfahre, dass so ein Verhalten "autistisch" sein kann. Nicht bei jedem Autisten, aber bei vielen!.....
Der restliche Tag, der Abend war dann sehr schön mit unserem Kind.
Vom Schwimmen hat er irgendwann auch erzählt. Er mag seinen Schwimmlehrer und ist sehr begeistert!
Heute auf ein Neues .....
Was gibt es von Euch zu erzählen?