Montag ... die Woche fängt gut an für Robert. Er hat eine Stunde später Schule und da frühstückt er länger und hat einfach Zeit.
Der Vollmond hat ihn wieder die Nächte davor, mittendrin und danach beschäftigt. Er ist in einer Vollmondnacht zur Welt gekommen damals vor fast 13 Jahren. Der Mond lässt ihn noch weniger schlafen, wenn er so rund am Himmel steht. So oft schon sind wir aufgewacht und ein stilles Kind stand am Fenster und schaute in den Mond. Wir trauen ihn nicht anzusprechen, weil er so versunken im Mond ist ....
Robert schläft nur wenn sein Zimmer ganz abgedunkelt ist. In den Vollmondnächten macht er selber irgendwann das Rollo auf ... Meist kommt er aber zu uns ins Zimmer, stellt sich da ans Fenster. Einmal hat er uns erklärt, dass das dann nicht so einsam ist wie bei ihm. Weil da ist der Mond, und auch wir.
Heute morgen .... "Mama, ist das der Mond schon wieder oder die Sonne?"
Das war die Sonne.
Und schon musste fotografiert werden. Oben die Sonne heute morgen, unten der Mond in der Nacht von Freitag auf Samstag.
Na, Ihr Schulkinder ... habt Ihr auch am Freitag Euer Zeugnis mit nach Hause gebracht?
Tausende von Kindern haben das am Freitag getan. Zeugnistag in Bayern!
Nur ein Kind kam ohne Zeugnis heim!
Der ROBERT (wer sonst? oder?)
Mittags rief die Lehrerin an. Sie und Robert hatten einen Konflikt. Weil der Bub sein Arbeitsblatt nicht ausfüllen wollte. Es ging hin und her. Er hat das Klassenzimmer verlassen, weil er draussen frische Luft holen musste.... Die Schulbegleiterin hat ihn wieder zurückgeholt. Nein! Er hat nun keine Zeit für Arbeitsblätter. Und ....
"Frau Lehrerin, das müssen Sie nun mal langsam endlich lernen, dass ICH bestimme, wann ich Arbeitsblätter ausfülle. Jetzt nicht!"
Die Frau Lehrerin erzählte mir, dass Robert sehr "stur" blieb und dann zu ihr sagte:
"Die Schultasche bleibt heute im Klassenzimmer, ich nehm sie nicht mit nach Hause, wenn Du mir das Arbeitsblatt da reinsteckst. Weil ... das kannst Du auch mal endlich lernen, dass ich keine Hausaufgabe am Wochenende mache! Da hab ich viel zu tun und für sowas keine Zeit!"
"Liebe Frau Robert-Mama. Die Schultasche mit Inhalt ... sprich Arbeitsblatt und ZEUGNIS steht nun hier im Klassenzimmer. Ich kann nun die Türe zuschliessen, die Schultasche rüber in die Tagesstätte bringen, oder mir ganz treu bleiben und ... nach Hause gehen, ohne dem Robert die Sachen nachzutragen!"
"Liebe Frau Robert-Lehrerin, so machen Sie das. Tragen Sie ihm bloss nicht die Sachen nach!"
"Liebe Robert-Mama, er ist sehr durcheinander momentan. Vielleicht die neue Situation "Schulbegleiterin", oder die neue Busfahrerin (die schon wieder wechselt, sie war eh nicht gut für die Kinder!) oder überhaupt der Zeugnistag, das hat ihn sehr aufgeregt gemacht, das Zeugnis, oder... die Pupertät oder etwas was wir nicht wissen. Ich hoffe, Sie schaffen es am Wochenende Ruhe reinzubringen, ich lasse die Schultasche nun also da, nehm nur die Brotzeit-Box raus und leere die noch aus. Schönes, ruhiges Wochenende, schön, dass Sie so viel Verständnis haben!"
Ich? Wohl eher diese tolle Lehrerin, oder?
Ich sass nach diesem Telefonat da und wusste nicht: Lachen oder weinen?
Eine Stunde später klingelt das Telefon.
Die Gruppenleiterin der Tagesstätte: "Liebe Robert-Mama, ich glaub Sie wissen es schon. Und nun weint er, weil er wollte seine Schultasche holen, drüben ist aber schon alles abgesperrt. Er wollte doch so gern sein Zeugnis zeigen ....!"
"Liebe Gruppenleiterin der Tagesstätte. Lassen Sie ihn weinen. Das ist das Leben das er "erlernen" muss, der Robert. Sagen Sie ihm nur, dass wir es schon wissen, nicht schimpfen, nicht mit ihm weinen und einfach auf den Montag warten werden!"
Wir haben so getan als ob es normal ist, dass unser Kind ohne Zeugnis nach Hause kommt.
Er selber hat riesige Augen bekommen, als Susanne zur Belohnung fürs super Zeugnis ein kleines Geschenk bekam, als Anerkennung.
Er hat noch grössere Augen bekommen, als auch der Enkel (der lieber Geld haben möchte für die schönen Noten, weil Geschenke weiss die Oma ja nicht was er sich wünscht!) ... also Robert Augen waren sehr entsetzt als der Simon "ein Geld" bekam.
"Mama, mein Zeugnis ist auch nicht schlecht!"
"Robert-Kind, das werden wir am Montag sehen. Wir sind schon sehr neugierig auf Dein Zeugnis. Und wir freuen uns drauf!"
Zwei grosse Geschwister sagen dann auch noch, dass es eine Belohnung für schöne Zeugnisse gibt, auch noch in der Woche nach der Vergabe.
Kein Weinen, kein Geschrei, kein Toben .... Oh!
Heute morgen schon im Schulbus:
"Mama, ich bring mein Zeugnis mit heute. Kannst schon mal ein Geld auf den Küchentisch legen. Hoffentlich hat die Frau Lehrerin nachgedacht, und weiss jetzt, dass ich keine Zeit für das Arbeitsblatt habe. Heute auch nicht, weil wir haben nämlich Kochen!"
OH !!!!!!