Montag, 17. Februar 2014

Ein Zeugnis, das am Wochenende in der Schule blieb!



Montag ... die Woche fängt gut an für Robert. Er hat eine Stunde später Schule und da frühstückt er länger und hat einfach Zeit.
Der Vollmond hat ihn wieder die Nächte davor, mittendrin und danach beschäftigt. Er ist in einer Vollmondnacht zur Welt gekommen damals vor fast 13 Jahren. Der Mond lässt ihn noch weniger schlafen,  wenn er so rund am Himmel steht. So oft schon sind wir aufgewacht und ein stilles Kind stand am Fenster und schaute in den Mond. Wir trauen ihn nicht anzusprechen, weil er so versunken im Mond ist ....
Robert schläft nur wenn sein Zimmer ganz abgedunkelt ist. In den Vollmondnächten macht er selber irgendwann das Rollo auf ... Meist kommt er aber zu uns ins Zimmer, stellt sich da ans Fenster. Einmal hat er uns erklärt, dass das dann nicht so einsam ist wie bei ihm. Weil da ist der Mond, und auch wir.
Heute morgen .... "Mama, ist das der Mond schon wieder oder die Sonne?"
Das war die Sonne.
Und schon musste fotografiert werden. Oben die Sonne heute morgen, unten der Mond in der Nacht von Freitag auf Samstag.

Na, Ihr Schulkinder ... habt Ihr auch am Freitag Euer Zeugnis mit nach Hause gebracht?
Tausende von Kindern haben das am Freitag getan. Zeugnistag in Bayern!
Nur ein Kind kam ohne Zeugnis heim!

Der ROBERT  (wer sonst? oder?)

Mittags rief die Lehrerin an. Sie und Robert hatten einen Konflikt. Weil der Bub sein Arbeitsblatt nicht ausfüllen wollte. Es ging hin und her. Er hat das Klassenzimmer verlassen, weil er draussen frische Luft holen musste.... Die Schulbegleiterin hat ihn wieder zurückgeholt. Nein! Er hat nun keine Zeit für Arbeitsblätter. Und .... "Frau Lehrerin, das müssen Sie nun mal langsam endlich lernen, dass ICH bestimme, wann ich Arbeitsblätter ausfülle. Jetzt nicht!"
Die Frau Lehrerin erzählte mir, dass Robert sehr "stur" blieb und dann zu ihr sagte:
"Die Schultasche bleibt heute im Klassenzimmer, ich nehm sie nicht mit nach Hause, wenn Du mir das Arbeitsblatt da reinsteckst. Weil ... das kannst Du auch mal endlich lernen, dass ich keine Hausaufgabe am Wochenende mache! Da hab ich viel zu tun und für sowas keine Zeit!"

"Liebe Frau Robert-Mama. Die Schultasche mit Inhalt ... sprich Arbeitsblatt und ZEUGNIS steht nun hier im Klassenzimmer. Ich kann nun die Türe zuschliessen, die Schultasche rüber in die Tagesstätte bringen, oder mir ganz treu bleiben und ... nach Hause gehen, ohne dem Robert die Sachen nachzutragen!"

"Liebe Frau Robert-Lehrerin, so machen Sie das. Tragen Sie ihm bloss nicht die Sachen nach!"

"Liebe Robert-Mama, er ist sehr durcheinander momentan. Vielleicht die neue Situation "Schulbegleiterin", oder die neue Busfahrerin (die schon wieder wechselt, sie war eh nicht gut für die Kinder!) oder überhaupt der Zeugnistag, das hat ihn sehr aufgeregt gemacht, das Zeugnis, oder... die Pupertät oder etwas was wir nicht wissen. Ich hoffe, Sie schaffen es am Wochenende Ruhe reinzubringen, ich lasse die Schultasche nun also da, nehm nur die Brotzeit-Box raus und leere die noch aus. Schönes, ruhiges Wochenende, schön, dass Sie so viel Verständnis haben!"
Ich? Wohl eher diese tolle Lehrerin, oder?

Ich sass nach diesem Telefonat da und wusste nicht: Lachen oder weinen?

Eine Stunde später klingelt das Telefon.
Die Gruppenleiterin der Tagesstätte: "Liebe Robert-Mama, ich glaub Sie wissen es schon. Und nun weint er, weil er wollte seine Schultasche holen, drüben ist aber schon alles abgesperrt. Er wollte doch so gern sein Zeugnis zeigen ....!"
"Liebe Gruppenleiterin der Tagesstätte. Lassen Sie ihn weinen. Das ist das Leben das er "erlernen" muss, der Robert. Sagen Sie ihm nur, dass wir es schon wissen, nicht schimpfen, nicht mit ihm weinen und einfach auf den Montag warten werden!"

Wir haben so getan als ob es normal ist, dass unser Kind ohne Zeugnis nach Hause kommt.
Er selber hat riesige Augen bekommen, als Susanne zur Belohnung fürs super Zeugnis ein kleines Geschenk bekam, als Anerkennung.
Er hat noch grössere Augen bekommen, als auch der Enkel (der lieber Geld haben möchte für die schönen Noten, weil Geschenke weiss die Oma ja nicht was er sich wünscht!) ... also Robert Augen waren sehr entsetzt als der Simon "ein Geld" bekam.
"Mama, mein Zeugnis ist auch nicht schlecht!"

"Robert-Kind, das werden wir am Montag sehen. Wir sind schon sehr neugierig auf Dein Zeugnis. Und wir freuen uns drauf!"

Zwei grosse Geschwister sagen dann auch noch, dass es eine Belohnung für schöne Zeugnisse gibt, auch noch in der Woche nach der Vergabe.

Kein Weinen, kein Geschrei, kein Toben .... Oh!

Heute morgen schon im Schulbus:
"Mama, ich bring mein Zeugnis mit heute. Kannst schon mal ein Geld auf den Küchentisch legen. Hoffentlich hat die Frau Lehrerin nachgedacht, und weiss jetzt, dass ich keine Zeit für das Arbeitsblatt habe. Heute auch nicht, weil wir haben nämlich Kochen!"

OH !!!!!!

Kommentare:

  1. Autisten müssen sehr kompliziert sein! Ich habe noch nicht viel Ahnung von diesem Behinderungs-Bild. Ich lerne Heilerziehungspflegerin, habe eine Schwester mit DS. Ich habe über Blogs von DS-Kindern hierher gefunden. Das macht mich neugierig, mit Autisten zu arbeiten.
    Es ist zu wenig bekannt was es da zu erleben gibt. Aber an dieser Lehrerin seh ich schon, dass viel erlernt wurde. Sie ist gut! Ich hatte nun ein Praktikum bei einer schon älteren HPT-Leiterin. Sie hätte Robert wahrscheinlich ... nein, ich schreib da nichts dazu. Sie war eine Person ohne Liebe zu den behinderten Kindern. So möchte ich nie arbeiten, das habe ich aus dem Praktikum mit genommen!
    Ich werde nun hier mitlesen und hab aber noch zu tun nachzulesen was Dein Sohn schon alles gemacht hat.
    Viele Grüsse von Julia

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  2. Hallo Elisabeth,

    eine schöne Gesichte und sehr liebevoll und lebendig erzählt. Tochterkind hat eine Freundin, da ist der Bruder auch Autist. Wir kennen uns schon seit dem Kindergarten und sind befreundete Familien.

    Ja die Lehrerin ist wirklich toll aber die Robert-Mama ist auch eine ganz große!

    Werde gerne öfters vorbeischauen hier!

    LG
    Der Dicke

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  3. Ach, Euren Robert, den muss man einfach gern haben :o)
    Liebe Grüße
    Susanne

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  4. ...danke liebe Elisabeth,
    dass du das hier so ausführlich schreibst...das klingt nach einer für Robert gut passenden Lehrerin...dass du die beste Mutter für ihn bist, das wußte ich ja sowieso schon...ich wünsche euch heute einen schönen Robertzeugnistag...vielleicht musste es einfach so sein, dass er heute allein mit einem Zeugnis nach hause kommt...

    liebe Grüße von Birgitt

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  5. Wow! ich weiß gar nicht ob ich erschrocken sein soll oder schmunzeln will ;-) Auf jeden Fall finde ich es gut, dass die Lehrerin in so engem Kontakt zu euch steht und ihr euch absprecht. Und dass der Robert das ausgehalten hat, kein Geschenk zu bekommen, das ist ja super. Da warst du sicher auch etwas nervös, oder? Und gab es heute das Zeugnis?

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  6. Tja Robert was soll ich da sagen?Ich hoffe das du. beim nächsten mal an alles denkst.Das war ja dann schade ,das du dein zegniss nicht vorzeigen konntest,aber ok dann heute ,oder?
    Super das ihr mit der Lehrer so einen engen Kontakt habt,das ist viel Wert.
    LG
    Nicole

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  7. Ich musste lachen, wirklich, dieser Racker will sich behaupten, nun auch noch am Montag, kein Arbeitsblatt, basta..., aber die Lehrerin hat gut reagiert, finde ich auch. Mit besonderen Kindern muss man einfach auch besonders umgehen!
    Liebe Elisabeth, ja, Überraschungen sind wohl täglich vorprogrammiert,
    ihr lebt schon so gut damit. Ich bewundere euch alle immer wieder!!!!

    Herzlichst
    Edith

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  8. Und ich schmunzle wieder vor mich hin ;). Ach, euer Sohn, einfach unglaublich. Aber ihr habt das genau richtig gemacht, ganz toll.
    Da sind wir ja alle noch gespannter auf das Zeugnis ;)

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  9. Liebe Elisabeth,
    Robert bekommt mehr und mehr seinen eigenen Willen und setzt ihn auch durch. Nicht immer leicht. Nicht für ihn, für die Lehrerin und auch nicht für dich.
    Auf jeden Fall wird er wohl nie mehr sein zeugnis in der schule liegenlassen.
    Liebe Grüße
    Irmi

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  10. Ich bin schon neugierig, ob er sein Zeugnis mitgebracht hat?
    Nicht jede Lehrerin wäre so verständnisvoll!
    LG Heidi

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  11. Das ist ein Beispiel wie bei allen Schwierigkeiten die Zusammenarbeit zwischen den Eltern und der Schule sein kann. Kinder mit Besonderheiten können von Glück reden solch eine Lehrerin zu haben. Mit Liebe und Verständnis kommt man schon sehr weit. Robert hat durch diese Situation besstimmt gelernt und sie gemeistert.

    Liebe Grüße
    Brigitte

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