Montag, 22. Juli 2013

Gestern


wiederholte sich zum 8.Mal der Tag an dem mein Bruder bei einem Autounfall ums Leben kam.
Ein wunderschöner Sommertag, herrlich warm und voller Licht und Freude war das auch damals.
Seiddem weiss ich, dass auch solche Tage von einer Sekunde auf die Andere EISKALT werden können. Sehr eiskalt ...

Gestern feierten wir mit einer Freundin ihren Geburtstag ...das Leben geht weiter!
Gestern erfuhren wir, dass ein mit Liebe ersehntes Baby gesund zur Welt kam. Die 3.Tochter des Neffen. Alle freuen sich, viele "ärgerten" den Papa, weil er nun vier Mädeln zu Hause hat! So schön und leicht ist das! ....das Leben geht weiter!
Gestern traf ich die Oma eines lustigen Eineinhalb-jährigen. Der Kleine wird bald zum 4.Mal operiert. Er hat sich so mit Robert amüsiert. Sie hatten Spass und Freude, haben ganz viele rote Früchte im Garten des Geburtstagskindes geplündert. Nicht an die nächste OP denken, an so einem Tag ... das Leben geht weiter!
Gestern musste ich den ganzen Tag an meine Nichte denken. Eine tolle junge Frau mit zwei kleinen Kindern. Sie liegt im Krankenhaus, wurde schon operiert. Die Diagnose macht Angst: "Brustkrebs" ... das Leben geht weiter!
Gestern haben wir bis tief in die Nacht Roberts neuen Pool aufgestellt,mit sehr viel Wasser befüllt. Sassen im hellen Mondlicht draussen und  suchten nach Lösungen für ein neues Problem. Ein Freund mag Robert nicht mehr. Ein "alter" ... "grosser" Freund von uns, den Eltern. Er regt sich so über unser Kind auf. Bezweifelt, dass sein Verhalten eine Behinderung sein soll ... schreit mich an, dass ich doch wohl nicht alles mit Autismus erklären kann .... was hat Robert gemacht? Er hat den grossen Freund beim FKK-Duschen in dessen Garten "entdeckt", es kam zu einem seltsamen Erlebnis für Robert, er ging nicht weg, wollte wissen warum, wieso, weshalb ein grosser Mann das tut. Warum er am hellen Tag so (=ohne was an) draussen duscht, nicht drinnen am Abend in seiner Badezimmerdusche ...Robert hat dann auch noch ein anderes Kind mitgebracht um dem Buben dieses "Ereignis" zu zeigen. Sagte dann zu dem Kind "dass der XXY schon ein bisserl komisch ist, dass er sich jetzt aufregt, dass wir zwei da kommen und schauen, dass der XXY sich schon wieder beruhigt."
Der XXY wurde stinksauer unter seiner Gartendusche, wollte dass die Kinder gehen, erklärte Robert laut und lauter, dass er sich dass nicht bieten lässt ... dass Duschen seine Privatsache ist ....
Robert, der Autist hat die Situation überhaupt nicht erkannt. Nicht gemerkt, dass da jemand sehr ernst und laut und verärgert wird ... und ging dann noch mit der einen und anderen Robert-Bemerkung davon ....
Die Robert-Mama hat das dann abgekriegt, durfte sich wieder mal damit auseinandersetzten, dass sie ihr Kind nicht erzieht, einen bösen Buben hat ....
Die Robert-Eltern haben Gott sei Dank inzwischen ein Netzwerk. Die den Robert beim Sozialtraining mit betreuende Psychologin hat uns "aufgefangen", fand das ganz normal, dass Robert so war wie er war. Hat uns Infos für andere Menschen mitgegeben, auf denen Autismus erklärt wird. Ganz einfach erklärt, für jeden verständlich ....Für jeden, ja! Nur für den Einen nicht .... das ist für ihn nicht entschuldbar, was der Robert sich da geleistet hat! Er blieb auch gestern dabei, dass er zwar den Robert noch immer mag, aber .... Wir Eltern spüren nun sehr deutlich, dass unser Freund den Robert weder versteht, noch sich bemüht ihn zu verstehen! Und eben scheinbar Robert, den Autisten gar nicht leiden kann!  Ach ja, deshalb sassen wir Eltern fast die ganze  Nacht bei Mondlicht im Garten und haben uns gegenseitig wieder aufgebaut ... denn das Leben geht weiter!

Und so geht es immer weiter das Leben.
Müde sind wir Eltern heute, traurig, erschöpft, überfordert, sauer auf das Leben ....

Ich wünsche meiner Nichte so sehr, dass sie wieder gesund wird. Dass sie das psychisch verarbeiten kann. Dass den Kindern die Mama bleiben darf ....
Ich wünsche dem Luka, dass er die nächste OP gut verkraftet. Dass er nach all den vielen OP`s die er noch haben wird weiterhin so wunderschön und liebevoll und hell uns strahlend lachen kann. Kleiner Mann, Dein Lachen gestern, dass ging mir und dem Michael ins Herz ....

Da wird das Problem "wir haben einen Freund, der den Robert nicht mag" ganz klein ...

Das Leben hat so viele Berge und Täler .... heute ist Sommer da draussen, das Wetter weiss nicht, dass viele Menschen sich nicht drüber freuen können .....
Lasst sie Euch alle auf die Nase scheinen, spürt die Wärme, das helle Licht. Und wenn es nur Sekunden sind, lasst sie an Euch ran diese Kraft der Sonne, der Natur ... das Eiskalte kommt leider von alleine .....

Kommentare:

  1. Ach Ihr Lieben, grämt Euch nicht. Ist es nicht eher so, das euer Freund Robert gern hat aber einfach nicht versteht? Das Problem haben wir auch immer wieder: meine eigene Schwiegermutter hat mir vorgeworfen ich hätte Alena nicht richtig gefördert, sie kennt schließlich Kinder mit DS die viel fitter sind... Und als sie Alena dann ohne mich mit auf die große Rheinkirmes nehmen wollte, obwohl da gerade die Epilepsie festgestellt worden ist und obwohl Alena alles mit lauten Geräuschen hasst, war es dann vorbei. Wir haben uns zwar nicht gestritten, haben aber auch keinen Kontakt mehr, Und obwohl es irgendwo traurig ist, geht das Leben weiter.
    Deiner Nichte wünsche ich ganz viel Kraft und alles Gute!
    Liebe Grüße an Euch Alle!
    Michaela

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  2. Ihr Robert-Eltern! Ihr macht das schon ganz richtig. Wir hatten vor ca.3 Jahren schon Kontakt, per Mail. Kannst Du Dich erinnern? Da war mein Sohn damals 13 Jahre und es hat sich eine Welle von Veränderungen auf den Weg gemacht. Auch zu einem heissgeliebten Bruder und dessen Familie schlief der Kontakt ein. Eine Erklärung, eine Bitte den Jungen so sein zu lassen ihn nicht in Aufregung zu bringen ... kein Verständnis von der Seite d.Bruders, vorbei, bis heute.Damals war die Zeit in der wir sehr oft unfähig, nicht zur Erziehung fähig etc. genannt wurden. Wie bei Euch waren wir da schon in guten Händen. Ich freu mich zu lesen, dass Ihr das nun auch seid. Es wurde besser mit unserm Jungen. Nun lebt er unter der Woche in einer Einrichtung. WE und Ferien ist er bei uns zuhause. Das passt auch für ihn, er hat mich losgelassen. Damals dachte ich nie, dass es gut geht.
    Ich schreibe Dir eine Mail, lass uns reden, es ist so viel zu sagen.
    Viel Kraft für Deine Nichte. Unfair eine junge Mama so zu quälen. Es hört nicht auf mit der Krankheit. Jeder kennt Menschen die an Krebs leiden. Das tut mir so leid. Für sie obwohl ich sie nicht kenne. Das Schicksal ist schwer, helft ihr so gut ihr könnt, aber auch da. Es gibt Fachstellen, die noch mehr helfen können. Nehmt alles in Anspruch.
    Dein Bruder wird nie von Dir vergessen. Immerwieder steht man vor Gräbern und fragt sich wer das frühe Gehen bestimmt hat. Mit Deinem Glauben kann ich es nicht erklären. Es gibt wohl eine Macht, doch sie ist mir so fremd.
    ich melde mich, liebe Grüsse auch an Robert
    von Sabine

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  3. Liebe Elisabeth,
    ich drücke Dich ganz fest! Ich glaube, zu dem Alltag mit unseren Kindern gehört auch, dass sich manche Sachen immer wieder verschieben, neu sortieren..... und manche Freundschaften leider auch auf der Strecke bleiben - dafür kommen aber auch neue Freunde hinzu, die wir so nie kennengelernt hätten!
    Und, ganz ehrlich, ich finde Roberts Reaktion gar nicht unnormal (außer wohl dem Beharren darauf im Gespräch mit dem Freund) - vielleicht wird das Eurem Freund auch noch klar!

    Liebe Grüße!

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  4. Ach, fühlt Euch mal gedrückt!
    Der Mann hat das doch auch irgendwie herausgefordert, warum duscht er nackt an einem von der Straße einsehbaren Platz? So klingt das für mich nämlich ...
    Er hätte ja die Buben einladen können, auch unter die Dusche zu springen. Oder fällt das unter versuchte sexuelle ... Bevormundung?
    Ich find das grad reichlich seltsam, dass er sich so aufgeregt hat; wer weiß, was ihm noch seltsames im Kopf herumgeht.

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  5. Das klingt schwierig und ist es auch. Man kann und darf das im eigenen Garten tun, aber mit Rücksicht! Rein rechtlich, was Du aber gar nicht so siehst, hat der Mann nicht Recht. Vor Kindern so eine Geschichte kann schnell für den Duscher dumm ausgehen.
    Robert wird es lernen müssen, da nicht hinzugehen. Meine Enkelin ist 13J. und kann vom Zimmer im III.St. auf einen Gegenübermitmieter im II.St. sehen, der nur so in der Wohnung läuft. Der Schwiegersohn hat sie nun so weit, dass sie nicht hinschaut. Dem Mann von Gegenüber wird das wohl langweilig werden! Es sind die Erwachsenen die in der Gesellschaft auffallen wollen. Seh doch mal den Blickwinkel, dass der Mann nicht so einen Robert-Wirbel erreichen wollte, sondern: wer kann ihn noch sehen am hellichten Tag? Arm ist er dran!
    Sprecht mit Robert, immerwieder erklären. Ich mach das mit meinem autist.Schülern auch. Sie lernen sehr wohl durch die Wiederholungen. Das Private bei Euch, weil er ja ein Freund von Euch ist, dass wiegt schwerer. Nein, Dir darf man nicht schreiend kommen. Da sage laut STOP dazu.
    Ich habe gespürt, dass die Leichtigkeit in der Du die letzte Zeit schriebst ein wenig verdeckt, dass es zwar durch den Umzug besser wurde, aber nicht ohne Sorgen. Es sind viele Sorgen um Euch. Ich sende Dir Kraft
    Ihr werdet stark werden, Ihr werdet noch staunen.
    Die Krankheiten sind grausam. Ich weiss. Auch da alles Gute, und auch wenn das nicht jeder glaubt, so werde ich eine Kerze brennen lassen heute Abend. Mit der Bitte an Gott, denen die Du liebst Gesundheit zu schenken.
    liebe Grüsse
    ich lese oft nur still mit, doch heute möchte ich die Guten Wünsche bei Dir ankommen lassen
    Brigitte

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  6. Manche Leute können sich aber auch über Nichtigkeiten aufregen. Ich finde das einfach traurig. Wenn ihn Zuschauer stören, soll er drinnen duschen, oder die Dusche so aufstellen, dass ihn niemand sehen kann. Man kann auch aus einer Mücke einen Elefanten machen...

    Und Du hast so recht, so ein Vorfall ist eigentlich banal, gegen die Schicksalsschläge, die einfach so, scheinbar wahllos, zuschlagen.

    Fühl Dich gedrückt.

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  7. Ach, das hast du gut beschrieben, Elisabeth, danke!

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  8. du liebe,
    hach, das leben... danke für deine worte - immer wieder!
    fühlt euch umarmt!
    dania

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  9. Liebe Elisabeth,
    ich lese, was du hier, und auch, was du vor 8 Jahren über den Tod deines Bruders geschrieben hast - und denke dabei auch an unsere Nachbarn, wo der Mann und Vater von zwei Kindern (ich kannte ihn schon als Nachbarskind) letzte Woche tödlich verunglückt ist. Auf ein Stauende aufgefahren, ungebremst, keiner weiß warum. Und mein eigenes Leben kommt mir manchmal fast unwirklich vor, so leicht im Vergleich, mit so unwichtigen kleinen Sorgen. Ich weiß, wie schnell sich das ändern kann, und ich kann meine Kinder und alle meine Lieben nur immer wieder in Gottes Hand legen (von dem/der ich auch weiß, dass er/sie unerforschlich ist und mir keine heile Welt nach meinen Wünschen garantiert). Aber es ist der einzige Ort, wo ich sie und mich selber aufgehoben weiß - egal, was geschieht.
    Ich frage mich gerade: warum habe ich das jetzt geschrieben (ich bin mit solchen Sätzen sonst sehr zurückhaltend)? Vielleicht steht etwas davon ganz leise zwischen deinen Zeilen...

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  10. Liebe Elisabeth,
    heiss und kalt, hoch und tief, lustig und traurig. Diese Wort-
    spiele können beliebig erweitert werden.
    Und so ist unser Leben - wir müssen uns damit auseinandersetzen, auch wenn es schwer fällt.
    Liebe Grüße schickt dir
    Irmi

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  11. Liebe Elisabeth,
    "wer schreit hat Unecht!" - Nein, da soll sich eucher "Freund" mal nicht so aufregen. Wer im Freien nackt duscht, muss damit rechnen, dass ihn jemand auch sieht. Wenn man das nicht will, muss man im Haus duschen. PUNKT.
    Und trotzdem ist es bitter, wenn man auf diese Weise "Freunde" verliert. Aber mal ehrlich - solche Menschen braucht man eigentlich nicht als Freund.
    Viel Kraft dir - Gott segne dich!
    Birgitta

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  12. liebe elisabeth

    ich schicke dir eine umarmung zu.....

    von herzen
    christina

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  13. Liebe Elisabeth,
    manchmal, wenn ich hier so lese, dann denke ich, wie viel Du aushalten kannst. Bewundernswert.
    Sei gedrückt.
    Nina

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  14. Ja.
    Viel.
    Das Leben.
    Es geht immer
    weiter. Und die Menschen
    kommen und gehen. Meine O. geht
    gerade. Und ein kleines Kindchen kommt.
    Liebe Grüße an die Robert-Eltern. Die SICH
    haben und den Robert und andere.
    Zum Glück.
    Und die Unvergessenen.
    Bleiben in unseren Gedanken.

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  15. Ich sende Dir ganz liebe Grüße in die Nacht und umarme Dich!

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  16. Mir hat gerade heute morgen ein guter Bekannter die Freundschaft gekündigt, per Mail ... weil ich auch nach der zweiten Bitte meine neue Telefonnummer nicht herausgeben wollte, weil das Telefon mitten im Flur auf dem Schuhregal steht, wo ich nicht gern sitzen möchte. Es ist wirklich ein Auf und Ab.

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  17. Auf und ab, das kennen wir auch gut. Aber wer nicht? Das gehört zum Leben dazu.

    Und was Euern Freund angeht: ich habe mir das auch überlegt, wie hätte ich mich verhalten? Ehrlich gesagt, als Erwachsene (Duschende) wäre es mir peinlich gewesen und ich hätte das Weite gesucht. Ich weiß nicht, ob ich eine Diskussion mit Kindern angefangen hätte, zumal ich ja nackt in die Öffentlichkeit gehe und nicht die.

    Als Kind? Hätte ich mich wohl ähnlich gewundert wie Robert, und wäre wohl auch etwas verstört gewesen. Beziehungsweise - wäre es ein Astrid Lindgren Buch- hätte man sich mit anderen Kindern hinter der Hecke versteckt, sich totgelacht und über den Mann lustig gemacht. Eigentlich finde ich Roberts Reaktion völlig in Ordnung, da er ja immer ehrlich ist, sagt er eben was er denkt. Ich finde Euer Freund macht da ein bisschen viel Wind um die Sache. Aber vielleicht ist das ja nur ein Anlass und keine Ursache.

    Mal wieder war es schön hier reinzulesen und ich hoffe ihr habt jetzt bald schöne Ferien!
    Grüße,
    frifris

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  18. Liebe Elisabeth, ich schicke dir meinen bunten Ringelblumenstrauß vom Schreibtisch mit ganz vielen gelben und orangen Blüten, die duften wie der Sommer. Alles Liebe für Dich und deine Familie von Elke

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