Freitag, 27. Juli 2012

"Ich kann das nicht aushalten wenn Du über mich bestimmst!"


Die Mama bestimmt also, dass erst am Abend Popcorn gemacht werden.
So sieht das dann aus wenn Robert "es nicht aushalten kann, nur noch an Popcorn denken muss, einfach tätig wird!"


Er hat die Maiskörner vom Boden aufgehoben und dann in seine Maschine...


Ja, sehen lecker aus, duften fein. Nein, ich hab nicht mitgegessen, denn ich muss ja konsequent bleiben. "Erst am Abend, jetzt nicht, hab noch zwei Kinder da, die können beide da noch nicht mitessen!"

Das sind die Situationen die ich meine wenn ich sage: "Mit Robert ist es sehr anstrengend kleine Kinder dazuhaben. Ich habe gewickelt, er macht das was er im Kopf hat und nicht mehr rausbekommt. Die Popcorn fallen dann auch noch alle runter .... er schüttet beim unbeobachtet-selber-kochen mind. 250 Gramm Zucker über die Popcorn!"

-Wenn er von der Schule nach Hause kommt und ich ihm sage, dass wir leise sein sollten, die Kinder schlafen. Dann ... ruft er plötzlich von oben vor der Kinderzimmertür ganz laut: "Aber einer ist schon wach ich hab reingeschaut!!"
Ja, dann sind beide wach, bester nicht-ausgeschlafener-Laune für Stunden!

-Wenn ein Einjähriger spielt, einfach versunken mit einem Ball. Dann kommt da ein Robert ins Zimmer, schreit: "Oh wie süss" nimmt das Kind kräfig in den Arm, weil er es so lieb hat!  ... Kinder mögen so viel starke körperliche Liebe nicht ...!

-Wenn ich spazierengehe, Robert ist mittendrin dabei, ich schiebe einen Buggy habe ein Kind an der Hand. ... dann, ja dann... läuft der Robert weg. Über Stock und Stein. Nein, da komm ich nicht mehr hinterher. Kann ja nicht Kind und Kind im Buggy stehenlassen. Warte zu Hause ein, zwei ... Stunden auf den Robert!
Die Kinder werden abgeholt: "Hast Du was, Du schaust so komisch?" .... "Nein, ja ... ich muss jetzt Robert suchen gehen!"  "Oh, und ich komm nun auch noch eine halbe Stunde zu spät. Ja dann tschüss, viel Spass beim Suchen!"  (echt so erlebt, nichts erfunden!)

-Wenn Robert am Nachmittag aufeinmal nur noch weint, mit mir rausgehen will, mich allein haben will, die Welt nicht versteht ... ja dann weiss ich, dass ich nachmittags nicht täglich Tageskinder betreuen kann.

Das sind nur ein paar Beispiele. Und nein... Robert hat noch nie einem Kind weh getan, und trotzdem muss ich fast jede Sekunde schauen was er tut. Ich hab auch schon ein Gläschen in der Küche erwärmt und er hat nebenan das Kind aufgewickelt, weil "es stinkt schon, der Arme kann doch so nicht essen!" Das Kind war frisch gewickelt, die Windel konnte ich nur noch wegwerfen, ein Pfund Creme war auch auf dem Babypo! Grrrr!

Ich lebe mit viel Humor das Leben mit Robert. Manchmal fehlt auch mir die Geduld, die Nerven da könnte ich nur noch schreien. Aber schreit mal vor Tageskindern, Susanne und  Robert.... Nein, das geht nicht, sie können ja auch nichts dafür, dass Robert Autist ist und in einer so anderen Welt lebt. (ich hab es ausprobiert, losgeschrieen, geschimpft. Ist doof und hilft nichts!)
Also runterschlucken und weiter geht's ....

Susanne war mit 11 Jahren schon eine grosse Hilfe. Hat oft freiwillig ein Kind durchs Dorf geschoben, damit ich die Küche aufräumen kann. Oder ich bin schnell einkaufen gegangen, sie war als Babysitter die halbe Stunden daheim. Sie läuft auch nach Tücher, Windeln, füllt Flaschen nach....
mit Robert geht das so nicht. Wenn er auf die Idee kommt, dass er seine Zähne nun jetzt sofort putzt....dann putze ich hinterher das halbe Bad und kauf neue Zahnpasta und für uns alle Bürsten. Ihr wollt gar nicht wissen was er da wieder angestellt hat....!

Heute morgen hab ich ihn geweckt. Er sieht dass die Sonne scheint. "Oh Mama, hast Du auch ein Sommergefühl? Du könntest auch eine kurze Hose anziehen wenn Dir eine passen würde.  Ich hab Dich so lieb auch wenn Du immer zu viel isst!"

"Guten Morgen, Robert!"




Kommentare:

  1. Ja, wer Robert kennt, weiß, dass man ihn nicht eine Minute aus den Augen lassen kann. Aber irgendwie muß auch Geld verdient werden. Ich bewundere Deine bzw. Eure Stärke so oft - aber es muß ja gehen.
    Und dann diese "Organisation" die einem das Leben noch schwerer macht und gegen die keine staatliche Instanz ankommt.

    Liebe Grüße
    Ttrautel

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  2. So war ich auch als ich noch ein Kind war.
    robert wird noch weiterlernen. Aber ich versteh es auch heute nicht wer die Regeln sagt.
    Robert ein Baby mag nicht gedrückt werden.
    Carla

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  3. ...in seiner Welt ist alles so einfach, so ohne Hindernisse. Was ihm einkommt, muss sofort sein....
    Er wird noch lernen, ganz bestimmt, dass es nicht
    immer so geht...
    Aber er besitzt seine so liebevolle Art, lächel..
    allein, wenn er die Augen aufschlägt, und fragt,
    hast du auch so ein Sommergefühl? DAs ist dann wohl
    herzerwärmend, dann vergisst man für kurze Zeit, dass
    er anders ist...
    Ach Elisabeth, er ist euer großes Los, welches ihr zu
    tragen habt. Möge eure Kraft stetig konstant bleiben und nur noch weiter wachsen...

    dies wünscht dir von Herzen
    Rachel

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  4. Liebe Elisabeth, das alles ist so anstrengend für dich. Und dennoch- von außen betrachtet wirkt es auch ein wenig lustig und abenteuerlich. Und hier wohnt auch so ein "Robert" ;-)
    (und ich wechsel auch so oft die Zahnbürsten da der Große sie auch löfter mal in der Hand hat und was-weiß-ich damit macht)

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  5. Liebe Elisabeth, du schreibst immer mit so viel Humor, aber ich kann aus hoeren, wie super anstrengend das fuer dich, fuer euch alle ist! Ich denke ganz fest an euch!!! Alles Liebe, Silke

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