Freitag, 6. Oktober 2017

Hochzeitseinladung abgelehnt!


Wir waren eingeladen, als ganze Familie ....
Mein Cousin hat geheiratet.

Robert hat zwei Wochen ständig zwischen:    "Ja, ich geh mit!"
und                                                               "Nein, lieber mag ich nicht!"

die Entscheidung geändert.

Fünf Tage vor der Hochzeit musste er sich endgültig entscheiden, denn wenn er zu Hause bleibt brauchen wir jemanden zur Betreuung für ihn.

Seine Überlegungen:

"Wird da Musik sein?" .... "Ja, Robert!"
"Sind mehr wie fünf Leute dabei?" .... "Ja, Robert!"
"Dauert das den ganzen Tag?" .... "Von 11 Uhr vormittags bis zum Ende in der Nacht Robert!"
"Ist seine Mama auch dabei?" ... "Nein, Robert, sie ist krank. Im Standesamt schon aber dann ist die          Tante nicht mehr dabei! Sie schafft so eine Feier nicht mehr!"

"Muss man das essen, was die Brautleute ausgesucht haben?"..... "Ich frag nach, weiss ich nicht!"
"Fährst Du mich heim, wenn ich weg will?" .... "Nein, das geht nicht. Es ist ja weiter weg. Wir bleiben dort!"

Es gab noch mehr solche Fragen.
Ich war dann schon selber irgendwann froh, als ich feststellte, er bleibt zu Hause.

Es gab Musik und Tanz.
Es waren mind. 100 Gäste da ....
Wir waren jederzeit Heimfahrbereit ... und blieben doch bis Mitternacht.
Danke an den "Robert-Sitter" .... an den grossen Bruder Daniel. Er mag nämlich auch "nicht mehr so gern unter die Leut!"
Die Bräutigam-Mama ... meine Tante .... ach ja, die Demenz .... sie hat mich verwechselt und in die Jahre vor 1960 zurückgesetzt.
 Sie ging dann, nach dem Standesamt,  mit ihrer Betreuerin in ihre vertrauten Wohnung.. Sie hat es nicht mehr verstanden, dass der Sohn heiratete.

Das Essen war fein und einer Hochzeit gerecht. Robert hätte nur den Salat gegessen .....

Und so wird es immerwieder sein.
Er spürt selber, dass er lieber nicht zu solchen Festen gehen sollte. Denn das ist zuviel, zu laut, zu unruhig ....
Bisher war er mit, wir sind meistens, wenn es am Schönsten war, nach Hause gefahren.
Ich konnte nicht ganz abschalten, die Hochzeit  geniessen .... Robert fehlte. Ich dachte immerwieder an ihn. Dank Whatsapp bin ich mit Daniel ständig in Verbindung gewesen.....
Einmal ist er ihm weggelaufen, typisch Robert. Daniel nervös. Hat ihn dann aber bald gefunden. Der Fernseher lief mehr als sonst an diesem Tag.

Ich war sehr überrascht, dass er es geschafft hat Robert ins Bett zu bringen.
Das ist schön, eine neue Perspektive.
Und doch bleibt das Gefühlt, dass einer von uns nie ganz bei allen Familienfesten dabei sein wird.
Als er kleiner war ist er mittendrinn dabei gewesen und wir sind öfter viel zu früh gegangen.....
Nun wird es wohl so bleiben, dass Robert nicht mehr mitkommt.
Er schätzt es selber gut ein und sagt:

"Ich denk mal ich spare mir meine Nerven für meine Hochzeit. Wenn ich jetzt immer dabei bin werde ich nervös und so viele Nerven hab ich nicht.
Und Ihr bald auch nimmer, wenn Ihr immer mit mir früher fahren müsst.
Also ich bleibe daheim und das verspreche ich Euch: Bei meiner Hochzeit komme ich mit bis so ungefähr ....
Mama, wann fängt "Mia and me" an? ... Da muss ich dann hier sein!"


Unser Robert mit Autismus ist mit einem Lächeln und mit kleinen Tränchen in Mama-Augen am besten auszuhalten!

Er ist so süss, so lieb .... und kann dann ein Biest werden, wenn er Situationen nicht aushält!


Kommentare:

  1. Liebe Elisabeth

    Ich kann Roberts Empfinden recht gut nachvollziehen, da ich auch mit Reizüberflutung zu kämpfen und zu leben habe. Eine Hochzeit ist da schon etwas vom Happigsten für alle Sinne. So geht es jedenfalls mir.

    Es ist schön, wie ihr ihn in Entscheidungsprozesse einbezieht, das liest sich gut. Ihn in die Verantwortung für sein Leben und sein Wohlergehen miteinzubeziehen, stärkt ihn bestimmt. Dass im Mutterauge stets ein Lachen neben einer Träne steht, das zu lesen, hat mich sehr berührt.

    Lieber Gruss

    Anne

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  2. Versteh ich das richtig, dass nicht nur Robert sondern Dein großer Sohn mit Einschränkungen lebt?
    Das ist mit vielen Einschränkungen, Nerven, Tränen und mehr verbunden
    Ich hatte mich festgelesen bei Dir nachdem ich über einen Blog hierher kam
    Ich war sehr mitgenommen, nachdem ich hier durchklickte.
    Meine Schwester war auch Autistin.
    Sie war unsere Kleine.
    Meine Mutter wurde psychisch krank.
    Es war aus und vorbei als unser Vater und alle verlassen hat.
    Ich wünsche euch als Eltern weiterhin viel Kraft. Euch würde ich gerne treffen. Eltern wie ihr zwei hätte ich mir gewünscht
    Ich liebe meine Mutter, nun als Erwachsene fanden wir auf anderer Ebene zusammen. Sie kann nichts dafür, dass sie nie soviel Kraft hatte unsere Kleine auszuhalten. Aber als Kind habe ich ihr das übel genommen.
    Sie hat eher alles versteckt und das war falsch. Ihr redet drüber und lasst Euch helfen
    Diese Kurzzeitpflege anzunehmen ist toll. Hätte meine Mutter nie getan damals.
    Meine Schwester fehlt mir nun. Ich kann auch nichts mehr aufbauen mit ihr weil sie nur 25 Jahre wurde. Das ist mein schweres Paket , jetzt tut mir leid wie oft ich sie auf den Mond gewünscht habe.
    Darf ich Dir eine Mail schreiben?
    Alles Gute
    Ich würde gerne Susanne kennenlernen
    Julia

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    1. Hallo Julia
      Oben rechts unter "über mich" .... findest Du die e-mail.
      Ich freu mich wenn Du schreibst.
      herzliche Grüsse
      Elisabeth

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  3. Liebe Elisabeth,
    das hast du so schön geschrieben, so echt, so vom Herzen.
    Ich wünsche dir weiterhin viel Kraft.
    Herzliche Grüße
    Ella

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  4. Oh ja, da muss man sehr abwägen.

    Ich lese gerade, dass du Whatsapp hast.

    Mailst du mich bitte mal an, damit ich mich zurückmelden kann. Bei mir klemmt grad alles ein bisschen.

    Liebe Grüße von elsie

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  5. Eine sehr schwierige Entscheidung für euch alle, denke ich.
    Zum Glück ist alles gut gegangen und die Nerven aller Beteiligten wurden nicht überstrapaziert.
    Sehr schön und einfühlsam sind deine wahren Geschichten immer, liebe Elisabeth! Ich bewundere dich - besonders in solchen Situationen.
    Beste Glückwünsche dem Hochzeitspaar und herzliche Grüsse zu dir und dem einsichtigen Robert,
    Brigitte

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  6. Das ist schon ein riesen Schritt, wenn Rober allein einschätzen kann, ob er zu einer Veranstaltung geht oder lieber nicht.

    Vielleicht kannst Du beim nächsten Mal entspannter die Feier genießen liebe Elisabeth.

    Liebe Grüße Sabine

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  7. Liebe Elisabeth, auch mich hat es Tränchen gekostet Deinen Post zu lesen. Über die Zeit, die ich Deinem Blog folge sehe ich Robert heranwachsen; er hat sich durch Deine / Euere liebevolle Zuwendung zu einem bemerkenswerten jungen Mann entwickelt, finde ich.
    Neulich waren wir, mein Mann und ich übrigens in Augsburg Pizza essen und ich sah eine Familie mit einem autistischen Jungen und musste sofort an euch denken. Wie fein die Eltern mit ihm umgingen, es war auch hier die intensive Liebe zu spüren.

    Nun wünsche ich Dir und Deiner Familie einen schönen Mittwoch und sende herbstbunte Grüße, Heidrun

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