Mittwoch, 12. Oktober 2016

Wie soll er denn ein Geschwisterkind sein?


"Robert, ich hab "Geschwisterkinder" als Label, das heisst so. Und unter dem Namen stehen halt die Erzählungen von Deinen Geschwistern!
Das ist ein Wort das man so kennt. Wenn man Kinder hat und eines, oder mehrere sind behindert, dann ist das nun das Wort für die Geschwister ohne Behinderung geworden. Das wird Geschwisterkinder genannt!"

"Und Du nimmst das Wort dann auch noch. Wo ist denn der Benjamin ein Kind? Wenn ich mal alleine am Computer arbeiten kann werde ich das Geschwisterkinder-Wort löschen! Das wirst Du noch erleben!"

Mein letzter Erklärungsversuch: "Alle bleiben meine Kinder, wenn Du alt bist wirst auch noch mein Kind sein!"
"Ja, und wenn Du gestorben bist, dann steht in der Anzeige, dass Deine Kinder um Dich trauern. Aber von Geschwisterkinder steht da gar nichts! Das wirst schon sehen!!"

Tja, so wird es kommen.

Und nun noch ein Herbsthimmel-Bild
OHNE ROBERT

weil ..... "Du nimmst jetzt nicht das Bild wo ich mit drauf bin. Du zeigst jetzt ein Bild von mir ohne mich mit drauf!"


Gestern hab ich gelernt wie man das nennt.
Robert hat eine gute sprachliche Ausdruckfähigkeit. Wenn man das genau überprüft, es wurde überprüft, dann:
Sind keine entsprechend auch so gute kommunikative Fähigkeiten vorhanden.
Wenn man sich mit ihm unterhält staunt man über die Wortwahl, das Wissen etc.
Aber das täuscht darüber hinweg, dass er kommunikativ keine "guten Gespräche" führen kann.
Robert kennt die Bedeutung der einzelnen, auch fremden Worte fast immer.
Aber er kann sie nicht erkennen wenn sie in Sätze eingebaut sind. Er erkennt keine Untertöne, keine Ironie, erkennt den Gesichtsausdruck seines Gegenüber nicht.
Er kann die Sätze nachplappern, mitreden ... baut dann Sätze mit unglaublichen Wörtern und erkennt die Bedeutung nicht ... es rutscht oft in Quatsch hinein. Viele sagen ihm das auch und sprechen nicht mehr mit ihm weiter. Das versteht er dann wieder nicht ....
Semantisch-pragmatisch sprachgestört ... nenn die Fachfrau das.

Wieder was gelernt, wir wissen es vom Gefühl her aber schon jahrelang und stellten uns drauf ein.

Das Geschwisterkind hat mir erlaubt das Foto zu zeigen, er hat es für mich, fürs Blog so fotografieren lassen, dass man ihn kaum erkennen kann. Mein Bild zeigt ihn gut und von vorne ... aber ich weiss ja eh wie er ausschaut.


Kommentare:

  1. Einfach toll, wie ihr das alle jongliert mit Eltern, Kindern und Geschwisterkindern! Ich bin immer wieder beeindruckt und sende liebe Grüsse an alle, aber ganz besonders an den Robert, der nicht auf dem Bild ist.

    Brigitte

    AntwortenLöschen
  2. Es steht so viel Gefühl in jedem Satz, dass ich einfach mitgerissen werde. Was Robert erkennt oder meint zu erkennen ist immer wieder eine Herausforderung für ihn selbst, da er spürt und für alle um ihn herum, die ihn lieben.

    Kind hat für ihn eine einzige Bedeutung: Das Geschwisterkind ist in der Kombination und Länge unverdaulich. Tja, gibt es dazu Alternativen?! Da werde ich sicherlich noch länger überlegen...

    Das Bild von Robert ist schön. Und auch das andere Bild mit Benjamin zeigt einen wunderschönen Himmel an.

    Mit sonnigen Grüßen, Heidrun

    AntwortenLöschen
  3. Hallo Elisabeth, danke für die lieben Worte! Ich freu mich immer, immer sehr über deine Besuche auf meinem Blog und um so mehr, wenn es dir so gut bei mir gefällt.

    Geschwisterkinder, stimmt in unserem Sprachgebrauch kommt dieses Wort gar nicht vor. Habe ich auch was dazugelernt !

    LG Rosine

    AntwortenLöschen
  4. Gut erklärt - ganz zu Anfang schrieb ich ja mal, dass ich Robert als sehr "plietsch" (norddeutsch für pfiffig, gewitzt, intelligent) empfände, genau weil er sich so eloquent äußern kann.
    Dass er den Sinn seiner Worte nicht versteht, habe ich überhaupt nicht auf dem Schirm gehabt...
    LG,

    Marie

    AntwortenLöschen
  5. Stimmt schon... Geschwisterkind, hmmm ist schon etwas sperrig, aber auch Louisa ist ein Geschwisterkind, jedenfalls manchmal, aber auch oft einfach nur Louisa, so wie Jolina ganz oft nur Jolina ist und nicht das Kind mit Behinderung.
    LG
    Martina

    AntwortenLöschen
  6. Auch von der Seite sieht es sehr gut aus, das große Geschwisterkind. Und erst die tollen langen Haare...! ;-)
    Liebe Grüße, Brigitte

    P.S. Das mit den langen Haaren ist kein bisschen ironisch gemeint! Ich freu mich immer, wenn ich so einen langhaarigen Kerl sehe, dem es gut steht - erinnert mich an meine Jugend... :-)

    AntwortenLöschen
  7. Hallo Elisabeth
    Geschwisterkind... ehrlich gesagt, habe ich mir noch nie Gedanken über das Wort gemacht.
    Robert sieht die Dinge eben auf seine Weise. ;))
    Herzliche Grüße, deine Frau Vabelhaft

    AntwortenLöschen
  8. wundervolle Fotos.

    ein umständliches Wort für Robert
    lg

    AntwortenLöschen
  9. Ist er noch zu haben der grosse Geschwistersohn ;-)...;-)
    Ich kenn es nur zu gut weil die Gespräche mit meinen Betreuten auch oft so laufen. Aber Du solltest erwähnen , dass du mit Robert durchaus auch gute Gespräche hast.
    Das Bild mit Robert ohne Robert ist der Knaller!
    Ich freu mich immerwieder , dass du weiter erzählst. Ich möchte dir mal ein großes Danke hierlassen ♡♡♡
    Ich bin glücklich Euch kennengelernt tu haben
    Deine Anna

    AntwortenLöschen
  10. Da hast Du aber einen tollen Sonnenuntergang erwischt.
    Kann der Große Boot fahren? Und an was für einem See seid Ihr da eigentlich?
    Die Diagnose klingt irgendwie erschreckend technisch und drastisch. Dabei haben selbst ausgewachsene Aspies noch dieses Problem, daß ihnen ein Wort nicht "schmeckt".

    AntwortenLöschen
  11. Mit den langen Haaren hab ihr es ja... lustig.

    ***
    Gut, wenn eine sich schon vorher innerlich darauf einstellen konnte und dennoch ist so eine fachlich-sachliche Diagnose sicherlich nicht leicht zu verdauen.
    Ich denke an euch.
    Oona

    AntwortenLöschen