Samstag, 23. Juli 2016

Nach dieser Nacht

Muss aufgefangen, beruhigt, sortiert, weiter der Alltag gelebt werden.


Der Grosse lebt in München, nah dem Einkaufszentrum.
Wir konnten ihn bis nach 2 Uhr nicht erreichen ...
die Enkelin hat tapfer SMS-Kontakt gehalten, war allein zu Hause ... keiner konnte sie holen, es war kein durchkommen mehr.
Susannes Freundin kam nicht nach Hause, alle Strassen waren dicht, es ging keine U-Bahn mehr ... nichts. Spät nachts hat sie sich dann zu einer Freundin durchgekämpft, allein und das mit 16. Nur weil sie vorher in einem Park ihrer Heimatstadt mit dem Skateboard unterwegs war. Ganz normal, was sie da tat ... eigentlich.
Mein ganz Grosser hat in seinem Zimmer gesessen, ist ganz langsam durchgedreht. Am Ende musste ihm  die Nachtwache mit Psychopharma helfen, denn die Gespräche mit mir, mit dem Bruder mit dem Vater haben ihn nicht mehr beruhigt. Seine Psychose hat die Oberhand gewonnen .....Das hält noch an, ein Telefonat heute Vormittag zeigt wie viel Angst sich in ihm aufgebaut hat. Gleichzeitig sucht er nach Lösungen die Welt zu retten, die niemals umzusetzten sind. Völlig durcheinander ist er. In "seinem" München möchte er spazierengehen.

Die Berichterstattung von Münchner Radiosendern war zum Teil erschreckend, schrecklich, auf was eigentlich aus? Wo war die Sachlichkeit? Was sollte da erreicht werden, wenn Reporter von Radiosendern die Menschen noch "verrückter" machen, sehr vielen Spekulationen nachgehen ... etc.?

Der Pressesprecher der Münchner Polizei war ein Polizist, der mit seiner Ruhe Grosses vollbracht hat in dieser Nacht!

Und Robert? Unser Bub mit Autismus.
Oh ja, er hat es verfolgt, war nachts um 12 aufeinmal dagestanden und wollte Nachrichten sehen. Wir wussten nicht was er versteht, was das in seinem Kopf auslöst. Haben ihn aber zwischen uns mit anschauen lassen.
"Ach, den grossen Bruder finden wir schon wieder, der hat immer Glück".
"Der noch grössere Bruder wird schon wieder im Kopf ruhig werden. Da gibt es diese Pillchen!"
"Ich bin froh, dass ich der Onkel von J. bin, ich schicke ihr Kraft und dann bleibt sie in der Wohnung uns soll doch einfach die vielen Hubschrauber anschauen. Wann sieht man denn sowas!"
" Mama, ich geh jetzt wieder ins Bett. Ich schlafe aber nicht, heute werde ich mal wieder beten! Und ich wünsch mir auch, dass die bösen Leute endlich alle verschwinden sollen. Die will bloss keiner, nicht mal die Eisbären im Eisland oder die Kamele in der Wüste!"
Er empfindet anders, seltsamer aber auch oft mit einer ihm eigenen Weisheit. 

Er hat sehr lang geschlafen heute morgen. Und dann erzählten wir ihm, dass diese Nacht vorbei ist, der Täter nicht mehr lebt.
"Ich hab einen Wunsch! Der soll nicht in den Himmel! Den soll die Oma nicht treffen müssen."

Unsere Gedanken sind bei den vielen Opfern.
Viel Kraft den Angehörigen
traurige Grüsse
von der Robert-Familie




Kommentare:

  1. Liebe Elisabeth,
    es ist so traurig, was in München geschehen ist,-so viele unschuldige Menschen ihr Leben lassen musten...ein Wahnsinn, den auch ich nicht nachvollziehen oder gar verstehen kann.
    Meine Gedanken sind bei den Opfern und Angehörigen, denen ich auch sehr viel Kraft wünsche und liebe Menschen, die ihnen in solch schrecklicher Zeit beiseite stehen können.

    Traurige Grüße
    Klaudia

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  2. Liebe Elisabeth,
    was macht ein Mutterherz, wie Du es besitzt, alles mit. Die Sorge, bei solchen Terrornachrichten, ist so meine ich, kaum zu beschreiben. Meine, unsere Gedanken und Gefühle sind in München!

    Das OEZ kenne ich sehr gut. Mein Appartement lag damals am Willibald-Platz, die Tante (die 92-jährig letztes Jahr verstarb) arbeitete dort. Meine Mutter und ich gingen ab und zu dort ins OEZ hinein. Als die ersten Bilder gestern auf dem Bildschirm auftauchten, fragte mich mein Mann, wo es in München sein könnte. Das OEZ, nord-westlich gelegen, konnte ich sehr schnell erkennen...

    Ich wünsche Dir und Deiner lieben Familie alles Gute!
    Leise, liebe Grüße von Heidrun

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  3. Es ist so unheimlich nah und für Euch noch näher. Glaube, dass da die Angst um die Lieben sofort da ist.
    Konnte gestern lange nicht einschlafen und immer wenn ich wach war in der Nacht, waren meine Gedanken in München. Mir kommen auch jetzt noch die Tränen, wenn ich an das Geschehene denke, an die Verzweiflung und Trauer alle Betroffenen.

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  4. Mich berühren Deine Zeilen.
    Über das, was dieser Wahnsinn bei euch ausgelöst hat.
    Ich denke an Dich und Deine Familie.
    Herzlichst
    Oona

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  5. Liebe Elisabeth, wir haben viele Tränen vergossen an dem Abend und auch jetzt fällt es mir schwer, sie zu unterdrücken. Ich drücke Dich und Deine Familie in Gedanken ganz fest und hoffe, dass es Deinem Sohn in München bald wieder besser geht. Auch meine Tochter muss morgen wieder nach München und auch, wenn jetzt alles vorbei ist, die Traurigkeit und die Angst bleiben.
    glg zu Dir
    Susanne

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  6. Dass es euch so traf, ist hart.
    Ich bete für alle Betroffenen.
    Robert hat es gut verarbeitet.
    LG

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  7. Also ich fand die Nachrichten sehr sachlich. In den heutigen Medien kann ich es mir ja raussuchen. Am liebsten schaue ich es mir im Internet an, denn da kann ich es für mich wie ich will dosieren. Kinder oder kranke Personen müssen es nicht anschauen. Es wurde immer nach dem aktuellem Kenntnisstand berichtet.
    Ich wohne in einem Stadtteil mit sehr hohem Ausländeranteil gar nicht weit weg von dem Wohnort des Amokläufers.
    Ein Unfall im Strassenverkehr ist viel wahrscheinlicher als Opfer eines Terroranschlags oder eines Amoklaufs zu werden und trotzdem sind wir fast jeden Tag auf der Strasse.
    Die Ereignisse haben mich zwar mitgenommen aber ich war in keinem Augenblick um meine Verwandten oder Freunde besorgt.
    Ich mache mir nur Gedanken wie man solche Taten abwenden kann, wie wir alle miteinander besser umgehen können. Wie kann es dazu kommen dass sich ein junger Mensch so abgelehnt fühlt und so viel Hass aufbaut.
    Grüße von Defne

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    1. Ich wohne in der Knorrstrasse , hatte Antenne Bayern an und nach 2 Std. hab i umgschalten. Der Sender war unmöglich in der Berichterstattung. Mei Nachbarin hat auch den Livereporter vuil zu unreflektiert , eher aufbauschend erlebt. Der Polizei Pressesprecher hat beruhigt und die Leut gut informiert. Es war ein Ruhepol und mit was für Reporterfragen der hat umgehen müssen war scho schlimm! I trauere mit um die Opfer und bin erschreckt so nah spüren zu müssen, wie wenig man sich schützen kann! Meine Behinderten in der Arbeit seh i erst morgen wieder. Mach mir vuil Gedanken wie die die Nacht verkraftet haben. Servus Ludwig

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  8. Ja die Oma soll "den" nicht treffen müssen, da hat Robert recht.
    Ich bin froh dass es euren Liebsten gut geht. Es ist schlimm was gerade überall passiert.

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  9. Viel Kraft für euch!. Hoffe der ganz Große ist wieder aufgetaucht!. Robert zeigt wieder wie emphatisch auch menschen mit Autismus sein können!

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  10. Viel Kraft für euch!. Hoffe der ganz Große ist wieder aufgetaucht!. Robert zeigt wieder wie emphatisch auch menschen mit Autismus sein können!

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