Montag, 2. Mai 2016

Zeichnen, Malen, Kritzeln



Robert hat schon früh gemalt.
Jeden Tag mehrere Bilder. Auf seine Art.
Wir hatten einen Maltisch im Haus, auf der Terrasse und auch im Garten.
Überall Stifte, Farben, Malkästen.

Im Kindergarten damals wurde das gefördert. Die Mappen mit seinen Werken sind dick gefüllt.

Dann kam er in die 1.Klasse.
In kürzester Zeit hat die Lehrerin ihm durch ständige Kritik alle Freude am malen genommen ...



Es gab hier auf dem Blog einige Posts, die ich später wieder gelöscht haben. Das alles was wir mit der 1.Schule erlebt haben wollte ich nicht mehr im Intenet stehen haben.
Robert hat in den 3 Jahren in seiner 1.Schule nie mehr gemalt. Das ging soweit dass er gezwungen wurde, dann selber schreiend, tobend das Bild zerriss. Dafür wurde er dann sehr bestraft ... nein, das möchte ich nicht mehr erzählen was da passierte.
Es gab etliche Elterngespräche, seltsame Aussagen der Lehrerin.
Auch eine von uns dazugezogene Autismus-Beraterin konnte nichts mehr ändern .....

Wir haben Robert damals aus dieser Schule genommen, er war fast ein halbes Jahr zu Hause.
Danach dauerte es sehr lange bis er wieder malen konnte ohne sofort alles selber zu zerstören wenn das Bild fertig war. Seine Bilder waren immer anders, er selber sagte während dem Malen: "Ich kann das nicht! Das sieht doof aus! Ich mag nicht, weil ich es eh nicht kann!"

Die Angebote zu Hause nahm er nie mehr an ....
Er wollte sogar den Maltisch, die Farben nicht mit umziehen ...
Dann kam er in die jetzige Schule. Das war ja erst im September.
Und als dann Bilder von ihm mit nach Hause kamen konnten wir es kaum glauben.
Auch da hat er dann einige selber zerstört, wenn wir nicht schnell genug waren. Und doch sind immer mehr Bilder noch da! Er macht sie nun nicht mehr kaputt. Die Bilder, die ich retten konnte dürfen scheinbar dann auch bleiben ...

Ein Nachtrag zu dem bunten Bild von seinem Kopf.
Das kam durch mein Schreiben als Kritik an seiner Art zu Malen rüber. Das sollte es nicht sein, war es für Robert auch nicht.
Ja, ich spreche die fehlenden Augen an, ich frage nach ... er kann sich gut selber veteidigen, gibt auch keine Auskünfte wenn er nicht mag. Da kommt es zu diesen Sätzen: "Mama, sei nicht so kompliziert!"

Es ist kein rummeckern an seiner Kunst.
Das Lob und vor allen die Freude die tief aus mir kommt überwiegt total!

Das Bild  "Vür Mama" ist sowieso etwas besonderes. Er hat nach vielen Jahren ein ganzes Bild gemalt, und dann einen rosa Zettel gesucht auf dem die lieben Worte standen.
Habt Ihr es bemerkt? Das M vom Wort Mama sieht wie ein Herz aus. Das macht er nur wenn er Mama schreibt. Sonst sind seine M's nicht rund, herzig.

Gestern nun hat er Gipshäuser bemalt. Es gab viele Farben zu Auswahl.
Das Haus wurde blau ... nur blau.
Ja, ich frage nach, ich sag ihm, dass ich mir ein rotes Dach wünschte .... etc.

Aber, glaubt mir. Er tut sowieso nie irgendwas das er nicht will, nicht einsieht.
Die Häuschen wurden blau, blieben blau.
Auch gestern sagte er irgendwann "Lass mich malen wie ich will, mal doch Du selber mit den anderen Farben!"
Aber es kam auch folgender Satz: "Ich weiss genau wie schön Du alle Häuser findest. Das seh ich an Deinen Augen, Mama!"

Es bleibt immer ein bisschen hängen von meinem "Meckern" .... heute morgen beim Frühstück hat er gekritzelt, ein Kopf .... Mit Augen, Nase und Zähnen im offenen Mund. Dieses Bild musste leider im Ofen verheizt werden "das ist ja wohl meins, ich kann machen was ich will!"

"Eine eigene Welt die Robert-Welt. Ein tolles Kind, das sehr viel fordert!"
Diesen Satz sagte beim Ausflug am Samstag ein Lehrer der ihn mittlerweile sehr gut kennt.




Kommentare:

  1. Liebe Elisabeth,
    Gott sei Dank malt er wieder. Wie Schulen doch unterschiedlich sind. Mit der Neuen habt ihr endlich Glück, vor allem Robert.
    Die M von Mama sind tatsächlich wie Herzen.
    deine Bärbel

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  2. ja, ein tolles kind. finde ich auch.
    anstrengend, aber so besonders.
    und er erschafft ganz neue welten.
    lg
    ingrid

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  3. Gott-Lob, dass Robert die unsägliche Lehrerin überwunden hat. Im Freundeskreis ist mir auch ein ähnliches Beispiel bekannt. Solche Personen haben ihren Beruf verfehlt!

    Toll, finde ich, dass Robert jetzt wieder Spaß am Malen hat und seine
    Kreationen auch mit seiner eigenen Meinung vertritt!

    Mit sonnigen Grüßen, Heidrun

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  4. In der 1. Klasse ging ich in einen Malkurs - außerhalb der Schule. Innerhalb eines Tages hatte mir die Leiterin dort sämtlichen Spaß am Malen ausgetrieben. Alles war ihrer Meinung nach verkehrt und hätte anders gemalt werden müssen. Ich ging nie wieder hin.

    Meine Musiklehrerin in der ca. 5. Klasse war ähnlich drauf. Ich sang ihrer Meinung nach viel zu tief ("Du singst ja fünften Bass" waren ihre Worte) und so könne sie mich für den Chor, mit dem wir ein Stück aufführen wollten, nicht gebrauchen. Das mit dem Chor ist die eine Sache, aber so wie sie es mir vermittelte, hat sie mir für viele Jahre den Spaß am Singen verdorben. Begriffen hat sie es nie.

    Gerade bei besonderen Kindern würde ich mir besonders viel Einfühlungsvermögen wünschen. Offenbar ist das aber nicht Bedingung, um an einer solchen Schule zu arbeiten. Sehr schade ... und schön, dass Robert nun wieder malt.

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  5. Ich habe dein Hinterfragen nicht als Kritik aufgefasst. Diese Lehrerin, die ihm die Freude am Malen so verdorben hat, die hat ja wohl ihren Beruf definitiv extrem verfehlt.

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  6. Liebe Elisabeth, wie gut, dass er wieder malt und wohl die
    bösen Erinnerungen an die erste Schule verdrängt hat. Beim Malen lässt er eine Gedanken spielen - Gedanken, die nur er verstehen kann.
    Einen angenehmen Abend wünscht dir
    Irmi

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  7. Es ist schön zu lesen, dass er seinen Weg zurück zum Malen langsam wieder findet <3 :) ... da merkt man doch immer wieder, was die falsche Schule etc. anrichten kann...

    <3 liebst die Nike

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  8. Danke für die ausführlichen Hintergrundinformationen, liebe Elisabeth! Nun kann ich alles, was du über Roberts Bilder geschrieben hast, besser verstehen, und auch dein Nachfragen.
    liebe Grüße, habt eine gute Woche,
    Brigitte

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  9. Ich sags ja immer wieder......Robert ist ein toller Junge.
    Besonders-gewöhnlich und manchmal unerträglich und nicht zu verstehen, aber....TOLL!!!

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  10. Ich sags ja immer wieder......Robert ist ein toller Junge.
    Besonders-gewöhnlich und manchmal unerträglich und nicht zu verstehen, aber....TOLL!!!

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  11. wie schööön :). Emily ist auch permanent am basteln und malen. Ihre Gesichter sind auch nie vollständig, irgend etwas fehlt immer ;). Wie findet Robert eigentlich Kartons? Emily beschäftigt sich damit stundenlang. Sie baut daraus ganze Städte. Vielleicht wäre das auch etwas für Robert?
    Liebe Grüße,
    Isabelle

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