Mittwoch, 22. Oktober 2014

Ganz nah bin ich "mittendrin"


Gut oder nicht, ist nicht zu beurteilen ....
Wenn ich an die Rose ganz nah ran gehe, seh ich nur noch ROT ... habe aber einen wundervollen Duft in der Nase.
Mit der richtigen Entfernung seh ich eine Schönheit, Vollkommenheit, von der Natur gemacht.
Das Ganze ist erfassbar.
Der Duft ist angenehm.


Manchmal geh ich nicht nah in die Gegebenheiten. Halte Abstand, obwohl ich weiss, dass das zu weit weg ist.

Manche nennen es "Baustellen", ich weiss nicht wie ich dazu sagen soll.

Die letzten Wochen hab ich mich auf jeden Fall um einen lieben Menschen gekümmert. Sie war in der Nähe auf REHA. Und nun gestern war die Entlassung "arbeitsunfähig", eine Welt bricht zusammen, liegt zum grossen Teil eh schon seit Monaten in Trümmern.

Ich bin von hier nach dort, in unsere Heimat gefahren. Viele, viele Stunden sass ich am Steuer, erst hin mit tiefen, traurigen, oberflächlichen, lustigen, ernsten, planenden, schimpfenden, tröstenden usw. Gesprächen.
Sie lebt am Rande von allem was grad noch so geht. Nun ist die Miete gefährdet. Sie muss ab heute viele Termine wahrnehmen, kann aber fast nicht laufen .... Sie hat 10 Jahre in der Altenpflege gearbeitet, wird nun von einer eiskalten Chefin entsorgt werden. "Das ist nicht mein Probleim, ich leite hier einen Betrieb!"
Keine Chance auf Wiedereingliederung, auf eine andere Arbeit in diesem "Betrieb" (allein schon diese Sicht auf ein Altenheim!) Von Fürsorge ihren Angestellen gegenüber hat Madame noch nichts gehört, oder wie ?
Seh ich es naiv, hab ich keine Ahnung von  Führung einer Einrichtung die sozialen Charakter hat?
Gut, die Wege werden gegangen, und wenn ich noch öfter in die Heimat fahren muss ... allein lass ich sie nicht, meine G.  !

Nächste Baustelle. Ich kann nicht einfach am Friedhof vorbeifahren. "Da wohnt doch nun Deine Mama!" hat Robert einmal gesagt. Also anhalten und den Ort betreten, den sie sich nie ausgesucht hat, nicht dort hin wollte ....
Gott sei Dank wohnt sie dort nicht, die Mama!

Was schreibt man öffentlich ins Internet? .... Zum Verstehen braucht es Infos für Euch.
Die Mama wusste lange vorher, dass sie sterben muss. An ALS ( ja, das ist die Krankheit wegen der sich nun alle möglichen mir oft unsympathischen Menschen Eis über den Kopf geschüttet haben, und damit im Internet mit den doofsten Videos zu sehen sind! Als es auch in meinem Bekanntenkreis anfing "umzugehen" hab ich ab und zu gefragt: "Für was macht Ihr das, wisst Ihr von der Krankheit!" ... Die Antworten wollt ihr, liebe Bloggleser/innen gar nicht wissen!"
Nun weiter, verzeiht mir meinen Sarkasmus grad eben ....

Meine Mama wollte also nicht dort wohnen, wenn sie nicht mehr auf der Welt leben darf. Sie hatte eine Schwester die ca. 7 km entfernt auf einem Friedhof die letzte Ruhe gefunden hat. Die Schwester starb damals sehr, sehr jung, das jüngste Kind war erst 3 Jahre alt ....
Meine Mama wurde gar nicht "gehört" damals als sie schon selber so krank war. Wir haben ein Familiengrab und der Weg ist vorgegeben .... Warum, ja warum soll denn dann die Ehefrau, unsere Mutter nicht genau da ihre letzte Ruhe finden!?
Meine Mama hat nie mehr über ihre letzte Wohnung gesprochen ....
Und ich war gestern so wütend, als ich den Ort besucht habe!

Denkt nun bitte nicht, dass ich meinen Vater nicht geliebt habe, aber die Mama stand mir näher.
Mein Vater hat auch den Bruder mit aufgenommen ins Familiengrab. Da hat nach dem Unfall damals keiner auch nur eine Sekunde eine andere Option überlegt. Und dann hat der Vater etwas getan, was ich nie verstehen werde. Er war immer seltener in der Heimat, hat sich der jüngsten Schwester angeschlossen, die weit weg wohnt ...... Das darf ein jeder machen wie er will. Aber ...
wenn er dann seiner Ehefrau ständig verspricht, dass er sich freut, wenn sie wieder zusammen sind, da wo sie nun wohnt ...
wenn er die Grabstelle 25 Jahre im voraus zahlt, falls er schnell sterben wird .....
wenn er gleichzeitig einer anderen Person die Pflege ums Grab überschreibt ....
wenn er dann das Haus in der Heimat aufgibt und in die Ferne zieht ....

Und wenn dann das Schicksal einen Schlaganfall schickt, der Vater monatelang ein schwerer Pflegefall ist in der Ferne ...
wenn dann aufeinmal eine Schreiben auftaucht, dass er seine Vollmachten abgegeben hat an .....xy
wenn es dann so endet, dass die Person den Vater in Wiesbaden beerdigen lässt, ohne den älteren Schwestern auch nur Bescheid zu geben ....

Wenn all das so kommt, dann steht aufeinmal eine Elisabeth an einem 21.Oktober in Jahr 2014 vor einem Grab, dass die Wohnung der Mama sein soll

Dort lag Verdorrtes, von Unkraut überwuchert .....
Verrostetes, Kaputtes ..... Nein, ich DARF dort eigentlich nichts ändern, machen ....

Dort liegt Opa, Oma, Mama und der Bruder. Ich hab es geändert, die Wohnung dort sieht nun wieder anders aus ....
Ich hatte Helfer. Alte Nachbarn, eine alte Freundin meiner Mama haben mir geholfen, denn sie waren grad selber am Friedhof, Allerheiligen naht .....
Ich hab an Ende ein Lichtlein angezündet und hab mich umgedreht und wusste doch wieder:
Da wohnt die Mutter nicht!

Ich war dann noch am Grab ihrer Schwester. Auch da liegt ein Sohn mit begraben. Es ist liebevoll geschmückt. Da kann ich mir vorstellen, ist meine Mama ab und zu auf Besuch.
Ob sie bis zum Vater aufs Grab kommt? .... den Ehestreit möcht ich nicht miterleben. Ich kenne meine Mama sehr gut. Das wird der Papa noch öft zu hören bekommen, was er sich wohl dabei gedacht hat.
Wir beiden  älteren Schwestern wissen, dass wir es nicht mehr ändern können. Die Eltern werden nie mehr zusammenkommen auf Erden in einem Grab. Das ist in unserem Land nicht erlaubt. die Totenruhe darf nicht gestört werden .....Der damalige Pfarrer, der den Vater beerdigt hat wusste nicht mal davon, dass er fünf Kinder hatte ....
Nein, ich war noch nie am Grab meines Vaters .... Nein, nicht weil ich ihm nicht verzeih dass er die Mama allein gelassen hat. Ich möchte meine jüngste Schwester dort nicht zufällig treffen ....
Und ..... wer weiss wo Papa nun wirklich wohnt ....

Die beiden Schwestern, die im Tod nicht zusammenkommen durften ... sind
meine Mama und die Mama von meiner G., die ich gestern durchs Land gefahren habe, Die ich nicht mehr loslassen werde, ich bin wieder nah dran! Sie ist diejenige, die ihre Mama schon mit 3 Jahen verloren hat.



Ich weiss nicht ob ich den Post für immer hier im Blog stehen lasse .....
so offen im Internet ist ein bisserl ein unruhiges Gefühl .....

Kommentare:

  1. wir kennen uns zwar nicht persönlich, aber fühle dich von mir ganz doll umarmt,
    glG Sabine

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  2. Liebe Elisabeth!
    Solche "Unstimmigkeiten" gibt es wohl in fast jeder Familie.
    Ich fühle mit Dir und bin froh, dass meine Großeltern die Ruhestädte gefunden haben, die sie sich gewünscht haben (auch wenn ich dahin fast 1 Std. fahren muss).
    "Danke" für das Vertrauen.
    Für G. alles, alles Gute und vielleicht findet sich doch irgendwo ein Weg.

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  3. Liebe Elisabeth,

    mir trieb es beim lesen jetzt die Tränen in die Augen....fühl dich gedrückt von mir ♥

    Ganz liebe Grüße und einen schönen Mittwoch,
    Eva

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  4. Danke, dass Du deinen gestrigen Tag mit uns teilst. Und wenn Du den Text irgendwann wieder löschst, so wird er doch in einigen Herzen bewahrt.
    Ich musste beim Lesen an meine Eltern denken, die auch nicht eine Sekunde fragen oder gefragt haben, was mir lieb wäre. Mein Vater wollte anonym beigesetzt werden, meine Mutter hat dieses Grab - von dem ich wenigstens wusste, wo es war, nach 20 Jahren auflösen lassen. Auch die Grabstelle meiner Großeltern gibt es nicht mehr. Meine Mutter möchte Geld sparen, keine Arbeit damit haben. Ihr selbst wäre es am liebsten, ihre Asche eines Tages würde einfach in den Wind gestreut, wenn niemand dabei ist und wir werden erst hinterher informiert...

    Wo wohnen die Menschen, die nicht mehr bei uns sind? Vielleicht im Himmel, vielleicht in unseren Herzen, in unseren Erinnerungen?

    Für Deine G. alles Liebe und Gute, auch ich wünsche ihr, dass sie ein Licht am Ende des Dunkels finden wird. Und Du, fühl Dich fest umarmt,

    Karen

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  5. Liebe Elisabeth, obwohl ich den 2. Teil hier kenne, macht er mich doch wieder betroffen und traurig, weil ich spüre wie schlecht es Dir dabei geht .
    Wenn ich könnte, würde ich die Sonne mal nur für Dich scheinen lassen !

    Ich wünsche G. alles Gute, dass sie nicht verzweifelt und dass sich ein Weg findet, der auch ihr zeigt: Das Leben kann noch schön sein.

    LG Trautel

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  6. es ist auch nicht leicht, sich so zu öffnen, möge es dir gut getan haben, alles Gute, KLaus

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  7. Das ist genau die Frage, die auch uns in der Familie in der letzten Zeit umtreibt. Jeder will es richtig machen und doch wird es am Ende nicht gut werden. Ach herjeh, deine vielen Sorgen möchte ich nicht haben......
    Mache dir um die Mama keine Sorgen, sie hat ganz sicher einen schönen Ort für sich ausgesucht. Vielleicht erzählt sie dir bald im Traum davon?!
    Für die G. alles Gute, auch hier wird eine Lösung gefunden werden. Manches braucht Zeit.
    Winke, die Trude.

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  8. Echt krass ist das. Ich bin noch ziemlich jung (21J.) und kenne so Streits in vielen Familien. Ich wundere mich über Deine Gelassenheit, aber wahrscheinlich hast Du sie gestern beim entsorgen vom alten Grabschmuck auch verloren. Ich würde da toben, und sehr wohl die Verantwortliche anrufen oder da hingehen.
    Ich mag nicht so gerne auf den Friedhof, meine Omas sind beide schon gestorben. Aber wenn ich dann mit dort bin mag ich es wenn es schön aussieht am Grab.
    Du hast irgendwie immer alles im Herzen. Meine Mam ist nicht so ruhig wie Du, das wenn man mit ihr machen würde, oh, oh! Nun ist es also schön bei der Mama und ich hoffe, dass Du Deiner Cousine auch weiterhelfen kannst. Ihr fehlt es wohl so an die Dinge ran zu gehen wie Du!
    Ich habe ein Praktikum in einem kath.Krankenhaus gemacht, und das kann ich Dir sagen. Die Chefin dort war auch sehr patzig und hat sich gar nicht für die Mitarbeiter als Mensch interessiert. Das gibt es wohl öfter. Mein Papa hat gesagt, dass Frauen die in der Kirche Karriere machen ganz oft kühl und nicht sozial sind. Er hat da nämlich auch so eine ähnliche Erfahrung.
    Vielleicht kann Dein Cousine umschulen? Alles Gute für sie
    Für Dich auch, hab weiterhin so starke Kraft und diese Gelassenheit, die ich erstaunlich finde.
    Warum ich bei Dir lese? Weil ich mal nach "Autismus" gegoogelt habe und da fand ich Robert. Und er und Ihr seid Suchtfaktor für mich. Ich komme täglich hier her.
    Servus
    Christiane

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  9. Solange sie - die wichtigen und zutiefst geliebten Menschen - im Herzen fest verankert sind, trägt eine sie ohnehin immer mit sich.
    Ich gehe fast nie an Gräber. Denn das, was ich liebte, dass ist in meinem Herzen und nicht an diesem Flecken Mutter Erde.
    Hab acht auf Dein Herz, liebe Elisabeth.
    Herzlichst
    Oona

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  10. Wenn Du das mit Deiner G. gerne machst, dann tu es. Pass auf Dich auf, Du hast so viel Verantwortung für Deine Kinder, und für noch lange Zeit für Robert.
    In unserer Gesellschaft fallen oft diejenigen durchs Netz, die nicht laut aufschreien. Denn eigentlich muss keiner Angst um die Wohnung haben. Eigentlich .... aber auch wir kennen solch Schicksale und sind entsetzt wie kalt auch Ämter sein können. "Sie wohnen 25 Jahre in dieser Wohnung, trotzdem ist es eine Mietwohnung, und nun ohne Kinder müssen sie umziehen! Das Hartz-4-Amt zahlt die höhere Miete nicht, der Raumbedarf ist nicht mehr gegeben!" ... auch jemand der unschuldig arbeitslos geworden ist. Die sehr kleine Wohnung, die er hätte mieten sollen wäre fast nicht billiger gewesen, weil neue Mietverträge immer mehr Miete ausmachen. Er hatte Glück, fand tatsächlich eine Arbeit die er auch mit Handicap machen konnte.
    Und das wünsch ich Deiner G. auch, ganz viel Glück auf der Arbeitssuche.
    Meine Mama "wohnt" auch nicht in ihrem Grab. Ich mag das, so wie Du es siehst. Ich komme meiner Mama in den Bergen sehr nahe. Da sprechen wir miteinander. Kennst Du das auch? Trotzdem möchte ich das Grab schön haben. Sonst würde ich mich schämen.
    alles Liebe
    Marianne

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  11. Liebe Elisabeth, lass Dich umarmen, Du ahst Gutes getan. Vergiss das Atmen nicht, das muss man nämlich um richtig zu leben. Ichh verstehe Deine Wut. Das ist einfach nicht fair. Aber der Himmel ist groß und ich bin mir sicher, der Blick von dort oben ist weit und versöhnlich mit all den Defekten der Lebenden. Dein Herz ist sowieso ein schönerer Wohnort als alle Friedhöfe dieser Welt.

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  12. Liebe Elisabeth, ich verstehe Deine Wut, Deine Trauer, doch solange Deine Mama in Deinem Herzen wohnt, ist sie an einem wunderbaren Ort. Dein Herz ist so groß und so warm, schöner kann sie es doch gar nicht haben.
    Deiner Cousine wünsche ich alle Stärke, die sie aufbringen kann, um an dieser Situation nicht zu zerbrechen. Es ist schrecklich, wenn man wie Müll behandelt wird, einfach weggeworfen, wie ein kaputter Kleiderständer. Da braucht es Kraft, um sich nicht selbst wie Müll zu fühlen. Ich bin sicher, Deine Stärke wird ihr helfen.
    Sei lieb gegrüßt
    Katala

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  13. Icg möchte jetzt keine Worte hierlassen, die bei so einem Eintrag sowieso nur hohl klingen. Deswegen lasse ich dir einfach eine Umarmung da.

    Für mich wohnen diese Menschen in meiner Erinnerung, das ist ihre wahre Wohnung ♥

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  14. Hier fehlen mir die Worte ...
    In Gedanken umarme ich Dich. ♥

    Liebste Grüße,
    Sonja

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