Dienstag, 8. Juli 2014

Robert, der Junge der überall hilft.


Wir mussten ins Auto hüpfen und dem roten Ding am Himmel folgen. Gut, dass der Heissluftballon in der Nähe gelandet ist.
Ein Abenteuer für Robert.


Er springt aus dem Auto und ist schon mittendrin dabei ....



Er zieht mit an der Leine ..


Er MUSS oder DARF in den Ballon, soll hin und herlaufen da drin, an der anderen Seite wieder rauskommen.


Kommt zu uns zurück um glücklich zu berichten. Muss gleich wieder weg, weil er doch mithelfen darf!




Da steckt er wieder drin im Ballon ... ob sie ihn mit einwickeln? :-)



Nein, haben sie nicht.
Robert hat bis zum Ende mitgeholfen, und dann haben wir noch ein bisserl mit einem Mann dort geredet.
"Was soll denn an dem behindert sein?" fragte der Mann, Robert hat ihm erzählt wo er in die Schule geht, und warum er in einer Schule zur geistigen Förderung ist.
"Es gibt so viele Behinderungen, Robert ist Autist, hat Epilepsie. Das sieht man nicht, merkt man auch nicht gleich!"
"Ja, mei! Alles wird auseinandersortiert. Früher war ich mit dem Nachbarbuam in der Klasse, der hat nie laufen können, schreiben auch net gelernt. Der war immer in der Dorfschule, und mir haben ihn gern gehabt!"
"Besondere Förderung nennt man das heute. Es soll ja wieder anders werden, Inklusion ist ein Ziel. Alle Kinder wieder miteinander in der Schule, vorher schon im Kindergarten!" sprach der Robert-Papa.
"Ja, so a Krampf! Immer des moderne, gscheite Zeug. Hätten die des net gleich so lassen können wie mir des früher auch gehabt haben. Behindert ist schon so a Wort, des mog i net!"
Er hat den Robert über den Kopf gestreichelt und ihm gesagt: "Bist schon guat, des passt scho mit Dir!"



Ob wir gemerkt haben, dass wir mit Robert, den Autisten umgezogen sind?
Ja, schon ...
Er ist laut geworden, hampelig.
Das Zimmer musste genausso wieder aufgebaut, eingerichtet werden. Das geht ja noch, mit Möbeln, Postern, Bilder. Mit den Büchern im Regal war es schon schwieriger. "Nein, Nein, das kann ich so nicht aushalten. Das blaue Buch war da nicht!" Kreisch, kreisch ....
Am 2.Tag hat er alle Kleidung aus dem Schrank gerissen, wieder in eine Umzugkiste gestopft und verkündet, dass er in diesem Zimmer KEINEN Kleiderschrank mehr will, weil er das nicht aushalten kann. So wie er aussah beim sprechen, war das Ernst gemeint.
Nun steht da ein kleiner Schrank, den er nur noch selber einräumt, und ... sich auch selber alles rausnimmt zum Anziehen. Selbstständig wird er nun sein, hat er gesagt. Heute kam er mit dicken Pullover zum Frühstück. So ganz funktioniert das nicht. Ich durfte ihm ein t-shirt holen ....
Schlafen, oder besser gesagt durchschlafen kann er noch weniger hier. Drei-viermal in der Nacht kommt er daher. Schläft nun aber nicht mehr bei uns weiter. Ich muss ihn in sein Zimmer zurückbringen, ihm versichern, dass wir alles vom alten Haus mitgenommen haben, nun hier wohnen und er doch beruhigt weiterschlafen soll .... Es ist anstrengend jeden Tag ganz oft zu versichern, dass alles mit hierher genommen wurde. Er hat es ja gesehen, und doch fehlt ihm die Vorstellung dass das Haus in Stefanskirchen nun leer ist.

Babysprache, kreischen, das ist alles wieder voll da. Wir sind zuversichtlich, dass er wieder ruhiger wird. Auf dem Bauernhof nebenan, da wo er ständig mithilft redet er normal. Nimmt sogar ab und zu Blickkontakt mit der Bäuerin auf. Sie ist ein Schatz für uns. Sie umarmt den Robert wenn er geht, wünscht ihm eine Gute Nacht ... darf das sogar. Das will was heissen! Berührungen mag er selten, der Robert. Ihren Namen vergisst er ständig. Vergesslich ist er sehr in den letzten Tagen. Wohl die Überforderung.

Und was ist für uns am alleranstrengsten?
ER will jeden Tag Kartoffelsalat ... schon zum Frühstück. Das wird nun wochenlang so gehen. Kein guter Tag ohne Kartoffelsalat. Das ist auch Autismus.

Es ist deshalb anstrengend, weil wir es nicht mögen. Nun muss aber jeden Tag Kartoffelsalat mit Gurken, Knoblauch, Mayo gemacht werden ... das muss man aushalten, diesen Duft schon morgens kurz nach sechs Uhr, und abends bis es dunkel wird ...
Wir "normalen" Eltern wollen dann auch immerwieder dem Kind was anderes aufdrängen. Die doofsten Argumente kommen daher. "Ungesund, der arme Magen!, Du riechst schon wie Knoblauch! ... ess doch mal ein Brot! Hm, schau mal wie lecker die Nektarinen aussehen, oder die Kirschen!"
Immerwieder die Falle. Dann Geschrei und Tränen.
Dann denken wir an den Sohn der Bekannten. Auch Autist. Er isst seid 14 !!! Jahren täglich ein Brot mit dick Kräuterbutter drauf .... der Rest der Familie kann keine Kräuterbutter mehr aushalten.

Ich werde Euch weiterberichten ... vom Leben auf dem Land, von all dem Neuen hier ....


Kommentare:

  1. Liebe Elisabeth,
    das ist nicht leicht. Ich hoffe mit euch, dass alles sich bald normalisiert
    und auch du etwas duchatmen kannst.
    Kartoffelsalat zu allen Tageszeiten ist schon hart. Aber vielleicht hat er ihn bald von allein "satt". Für ihn ist es bestimmt schwer, so einfach aus seiner gewohnten Umgebung gerissen worden zu sein. Seine Freunde werden ihm auch fehlen.
    Liebe Dienstagsgrüße schickt
    Irmi

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  2. Hm... ich bin übrigens seit ca. 2 1/2 Wochen nicht mehr am "schicken". Konnte euch nicht informieren. Aber jetzt beginne ich wieder... ihr wißt Bescheid! :O)
    Tolles Erlebnis mit dem großen Ballon.
    Herzlichst
    Oona

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  3. Der Kartoffelsalat als Anker, nur gut, dass es nicht Schweinsbraten ist ;-)
    Ich bin zuversichtlich, dass der Robert sich bald auch anders verankern wird können. Mithilfe der Nachbarin, den Tieren, der Gegend, dem roten Ballon und vielem mehr. Er hat ja euch und ihr gebt ihm mit eurem Verständnis extrem viel Halt, sonst gäbe es viel größere Probleme sag ich mal aus dem Bauch heraus. Da kommt mir der Kartoffelsalat noch relativ harmlos vor, obwohl, mein Gott, ich könnt ihn auch nimma sehn und riechen schon gar nicht....
    Alles Liebe und viele schöne Einstiegserlebnisse a la Ballon wünsch ich euch!!!!!!!
    Elisabeth

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  4. lauter kleine rettungsanker - es muss sehr anstrengend sein für robert, dass nun wieder alles neu ist. neue ordnung - das ist schon für kleine kinder schwierig, sogar manchmal für mich selbst.
    ich finde toll, dass er überall mit so offenen, vorbehaltlosen armen aufgenommen wird, dass er helfen darf - das wird ihm halt geben. ich bin sicher, es wird sich alles einspielen. und eingewöhnung braucht eben seine zeit, auch wenn alles toll ist.
    liebe elisabeth - kartoffelsalat aushaltevermögen wünsch ich euch von herzen!
    alles liebe
    dania

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  5. Liebe Elisabeth,
    Danke für die vielen Einblicke.
    Und eigentlich klingt es vielversprechend, was du schreibst.

    Kartoffelsalat?
    Nun ja.

    Hast du schon mal Kartoffelsalat mit lila Kartoffeln gemacht?

    Ganz liebe Grüße in eure Idylle!

    Gine

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  6. ....es ist gut, liebe Elisabeth,
    dass du auch von den Schwierigkeiten, von dem nicht Aushaltbaren berichtest...nach dem ersten Teil dieses Postes dachte ich schon, wo ist da ein Autist...ich hoffe und wünsche, dass solche Begegnungen und solche Bäuerinnen euch die Kraft geben, dass andere irgendwie auszuhalten...
    bei vielen Menschen gibt es Situationen, wo sie lernen müssen, das ungewöhnliche auszuhalten...um überhaupt weiter machen zu können...


    ganz liebe Grüße
    Birgitt

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  7. He Robert, kennst du das Lied?
    "Oma füttert ihren Pudel
    Tag für Tag mit Apfelstrudel,
    und aus Omas Lieblingspudel
    wurde eine dicke Nudel..."

    Hier gesungen zu hören: https://www.youtube.com/watch?v=VWQVPUod7Pg

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  8. Liebe Elisabeth,

    ein lieben Gruß an euch. Es ist nicht leicht, es kostet viel Kraft, ich wünsche euch viele gute Momente.

    Liebe Grüße
    Andrea

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  9. schön das der Umzug rum ist.
    Und Kartoffelsalat.....
    hmm hier war es Jahre Hackfleisch mit roten Bohnen örgs

    LG
    Beatrice

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  10. Liebe Elisabeth,

    Ich hab einen Kloß im Hals. Was habt ihr nicht alles erlebt und verdauen müssen in den letzten Jahren.
    Ich hoffe und wünsche, daß nun alles bald wieder in ruhige Bahnen kommt. Ich glaube, das Leben auf dem Lande mit den Tieren und draußen in der Natur, das alles tut Euch und vor allem dem Robert gut. Kartoffelsalat esse ich für mein Leben gern, aber nun täglich und für längere Zeit???? Aber da werdet Ihr wohl durchmüssen.
    Auf jeden Fall freue ich mich über Euer neues Leben und wünsche Euch viel Glück.

    Liebe Grüße
    Brigitte

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  11. ja, das ist Landleben, ihr seid angekommen, schad, dass ihr so weit von uns wegwohnt !

    LG
    Alexandra

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  12. Das Bild vom strahlenden Robert gefällt mir gut. Ich kann mir oft nicht vorstellen, dass er Autist ist. Ich habe mir durch Euch ein Buch geholt aus der Bücherei, und in dem fand ich dann doch auch Robert so wie Du ihn beschreibst.
    Ich lese gerne bei Euch mit, noch nie hab ich mich mit Autismus beschäftigt, kenn im Leben keinen Autisten hier um mich. Aber Deine Familie hat mich in den Bann gezogen. Ich habe mitgelitten über das unglückliche letzte Haus und die Entwicklungen die da kamen. Ich wünsche Euch sehr viel Glück und endlich Tage zum leben. SChwer ist das ja genug mit Robert. Gut, dass Du nicht nur vom Sonnenschein berichtet hast. Ich wunderte mich schon ein wenig.
    Wie läuft es nun in der Schule und mit der Leitung der HPT, die Euch sozusagen verfolgt hat. Magst Du wieder mal erzählen?
    Dir wünsche ich Gesundheit. Das war wohl doch zu viel die letzten Monate
    alle lieben Gedanken an Dich und Deine Familie
    Monika

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  13. Wahnsinn, wie Roberts Augen strahlen! Das ist ja ein unglaubliches Erlebnis mit dem Heißluftballon. Was für ein Geschenk für ihn, dass er so tolle Eltern hat, die gleich mit ihm hinterherfahren. Respekt! :-) aber das Strahlen entschädigt ja für vieles, oder?
    Umziehen mit einem Autisten und dann noch so "oft"- ja, das kennen wir auch nur zu gut. Wie schön, dass Robert dem neuen Zuhause doch auch so viel positives abgewinnen kann, dass die neuen Nachbarn so lieb sind.
    an sein neues Zimmer muss er sich bestimmt erst gewöhnen.
    Und wie der Mann vom Heißluftballon reagiert hat, einfach toll. So etwas macht doch Mut, oder?
    Ganz liebe Grüße!!
    Miriam

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  14. ja auch mir fällt es auf und mein Herz freut sich mit Roberts wie strahlend er aussieht bei dem helfen.. und dieandere Seite in dem neuen drumherum das wird noch einiges dauern bis was ruhe wirklich eindrehten kann... Der Mann fand ich so toll was er so sagte da hat er recht ich hab das auch an meine Kindern gesehen früher und die Bäuerin ist doch was schönes für Robert...
    Für euch wirds schwer sein alles so zu machen dass Robert das alles bisschen verkraftet hat und sich dran gewöhnt.. mit dem Essen nahja es gibt schlimmeres auch wenns duftet streng *naserümpf* ihr habt es nicht leicht aber die Liebe und diese Erlebnisse sind halt so viel Grösser wie all das andere ich finds so klasse was ihr für euren Bub alles macht!!!
    Viel Kraft!
    Lieben Gruss Elke

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  15. Kurz: Ganz, ganz, liebe Grüße, ich habe alles gelesen, meine Kommentare sind momentan, seufz, uff, hoppala, schön und das Leben geht weiter, ich komme wieder vorbei! Eure Klaudia

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  16. Hallo Elisabeth,
    da kann man jetzt wirklich nur hoffen, das er den Kartoffelsalat bald satt hat! Es ist ja auch alles eine morz (große) Umstellung, er braucht nur eine längere Eigewöhnungszeit und alles wird gut.
    Bestimmt schmeckt dein Kartoffelsalat auch sehr, sehr gut?
    Liebe Grüße,
    Heidi

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  17. Licht und Schatten... Wünsche euch, dass das Licht bald überwiegt und die Schatten weniger bzw. zum Aushalten werden. Schön, dass es am neuen Wohnort tolerante Mitmenschen gibt! Alles Gute für Euch!

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  18. Die strahlenden Augen vom glücklichen Robert sagen alles. Wunderbar, dass er beim Ballon helfen durfte. Großartig.
    Aber keinen Kleiderschrank, jeden Tag Kartoffelsalat, ich drück die Daumen, dass sich das bald ändert.
    Ganz liebe Grüße Bärbel

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