Mittwoch, 20. November 2013

Rückblick ... November 2011 und ein "Danke" auch an Euch ....


Ein "halber" Feiertag ist heute hier.
Die Schule ist geschlossen, die "Grossen" müssen arbeiten gehen.
Robert ist in der Tagesstätte und hat nicht protestiert als ich ihn aufweckte.
Positiv! "Die Susanne ist auch daheim, warum muss ich immer gehen?" waren früher die Diskussionspunkte.
Zwei Monate ist er nun schon in der neuen Schule, nachmittags dann in der heilpädagogischen Tagesstätte. 
In der Schule gab es noch überhaupt kein Problem. Er hat keine Individualbegleitung, weil erst mal geschaut werden sollte ob es nötig ist. Der Antrag läuft nun, die Lehrerin sieht für die ganze Klasse einen Vorteil wenn noch eine Hilfe dabei ist. Robert geht noch immer oft auf die Toilette, Robert schläft noch immer bis zu 2 Mal einfach ein am Vormittag. Wenn er nun wieder eine Schulbegleitung hat darf er das tun, ohne dass z.B. die ganze Klasse noch nicht zum Turnen gehen kann, weil Robert schläft .... zukünftig wird auf ihn aufgepasst und er kann dann nachkommen. Auf diese, seine Eigenheiten wird Rücksicht genommen, das war noch nicht einmal ein Problem... er ist "brav", beliebt, lernt ... natürlich seinem Können oder Nicht-Können angepasst! Er geht jeden Tag in die Schule, es gab noch nie Tränen!

Wisst Ihr noch? Vor 2 Jahren? 
Aus der Tagesstätte wurde er "unehrenhaft entlassen, ohne Brief etc., nur mit den schlimmsten Voraussagen der Fachleute dort: Das Kind wird mit 14 Jahren mit dem Gesetz in Berührung kommen, es wird schlimm enden. Er hat bipolare Störungen, sollte in eine Einrichtung etc. ...!!! An allem war dort Robert schuld. Seine Zukunft sahen sie  ALLE  von der Heilpädagogin bis zum Psychologen, vom Leiter der HPT bis zum Rektor ...  in einer geschlossenen Anstalt. Das Jugendamt wurde von dort aus eingeschalten. Wobei das noch für uns gut war, denn da kamen zwei Fachleute, die uns sehr aufgefangen und für weitere Wege gestütz haben. Wir wissen bis heute nicht, was die damalige Einrichtung im JuAmt erzählt hat, denn der Besuch wurde ernst und für SOFORT angekündigt. Was gab es für Tränen in unserer Familie, riesige Ängste ... Robert war in dieser Zeit völlig aufgelöst. Er hat so sehr seine Freunde, ja, auch die Betreuer, die ja gar nicht auch nur ein bisschen zu ihm hielten .. er hat sie so sehr vermisst, um alle geweint.
Wir bekamen von dort nicht mal einen Bericht über den Stand des Kindes, beurteilt von der Ergotherapeutin die ihn lange Zeit betreute. Das wurde uns verweigert. Sogar unsere Krankenkasse sprach dann davon, einen Anwalt zu nehmen .... Damals war die grosse Hochzeit von Lisa. Über 100 Gäste waren da. Wir wurden kurz davor in dieses Unglück gestürzt. Ich weiss noch, dass ich am Tag der Hochzeit recht früh heimgefahren bin mit Robert und dem Baby-Quirin, weil ich nicht mehr konnte. Im Auto nur noch geweint habe vor lauter Angst ... Was ist wenn die doch Recht haben? Warum helfen sie dann aber nicht? Warum ist man auch zu uns als Eltern so überheblich, so von oben herab?

Heute hab ich einen Brief an unser SPZ geschickt. "DANKE" geschrieben, für all die Unterstützung und das Auffangen von uns als Eltern, das Trösten der Susanne, das Helfen beim Robert.
Auch die Heckscher Klinik hat damals eine Ärztin und eine Sozialpädagogin zu uns nach Hause geschickt. Die beiden waren lange bei uns. Von diesem Gespräch haben wir den Satz in Erinnerung behalten, der dann später in der REHA auch nocheinmal gesagt wurde: "Bitte hören Sie immer auf Ihr Herz. Kein anderer kennt das Kind so wie Sie .... Lassen Sie sich nicht verunsichern, Robert hat die Familie die ihn trägt. Niemand darf dieses Tragen so schwer machen! Er hat nichts getan, was man als fast kriminell bezeichnen darf!"

Was wurde uns nicht alles gesagt. Wie wurde unsere Familie in eine der schlimmsten Phasen unser aller Leben gerissen! Machmal waren wir so fertig, dass wir nicht sehen konnten, dass sich langsam etwas Schönes aufbaut. Etwas Besseres ....
Ein halbes Jahr war Robert zuHause. Ohne Schule ... wisst Ihr das noch? So oft hörte ich, dass es doch nicht sein kann. Schulpflicht  .. gilt die nicht für ein behindertes Kind?  Nein, irgenddwie hat sie nicht für Robert gegolten. Denn auch die Schulaufsichtsbehörde, die wir zur Hilfe riefen war ersteinmal nicht zuständig einen Schulplatz für das Kind zu benennen. Letztendlich haben wir die Schule in die er dann vorübergehend kam selber gefunden. Die dortige Tagesstätte hat ihn nie aufgenommen, weil ja von vorher dieser schreckliche Bericht über das Kind im Wege stand. Nicht betreubar! Das können wir uns, den anderen Kindern nicht ... ja was? Antun? Zumuten? ... was weiss ich!
Die Dame, die das entschied, war die oberste Entscheiderin für beide HPT's, also vorher und danach ... daher wehte der Wind!

Ich habe einige Posts von damals gelöscht, weil uns von der Einrichtung "rechtliche Schritte" angekündigt wurden. "Gelesen" ist er worden, mein Blog. Ich hab Angst bekommen. Habe Google draufschauen lassen und dann tatsächlich einen Juristen. Wäre alles o.k. gewesen, ich hab nichts geschrieben, das ich nicht "beweisen" konnte, Fotos usw. waren keine von der Eirichtung dabei. Namen auch nicht.
Die Angst war stärker, deshalb fehlt da nun einiges auf den Seiten des Novembers 2011.

In unseren Herzen wird diese Zeit nie fehlen. In ein kleines, stilles Eckerl habe ich es gedrängt. Nicht verdrängt. Da muss es bleiben, jederzeit abrufbar. Denn damals haben auch wir als Eltern viel zu spät gemerkt, wie schlecht es Robert ging. Wisst Ihr noch?

Er erzählte, dass er in ein Klo eingesperrt wird, da Angst hat, weil kein Licht ist ....
Wir glaubten den Leuten dort. "Das war sooo nicht! ER, der ROBERT hat ... !!!!" Wir haben später eine mutige Erwachsene gefunden, die uns Roberts Aussagen bestätigte. Und noch einiges mehr ...
Solche Erfahrungen machte er dort viele ... vorbei! Gott sei Dank.

Und nun auch Euch ein grosses 
*D*A*N*K*E*
Ihr habt mich aufgefangen,  Ihr ahnt gar nicht wie sehr. Ich habe vorm löschen einiger Posts die vielen Worte von Euch rauskopiert. Und lese sie heute noch manchmal. Ich brauchte Euch und Euren Trost so sehr, und Ihr seid dagewesen! Niemand hat Robert so gesehen, alle habt Ihr mit mir an ihn geglaubt.

Heute? Also ... einfach ist er nicht. Autismus ist oft schwer für die anderen Menschen Und .. in die jetzige Tagesstätte bin ich schon 2 x gesaust, weil da was war... Mit einer Tasse Kaffee und guten Geprächen wurde alles sofort aus der Welt geschafft. Es ist nicht so, dass ich immer Recht habe. Wenn man mir das erklärt, dann stell ich mich sehr wohl auf "die andere Seite" und schau mir das von dort an ... was mein Kind da macht, sagt und tut.
Der Weg ist nun ein Guter!
Schritt für Schritt gehen wir ihn mit unserem behinderten Kind Robert!

Elisabeth und Michael

Kommentare:

  1. Ich erinnere mich noch gut. In dieser Zeit habe ich Dein Blog gefunden. Einer Deiner Posts hat mich fast überlegen lassen wie ich Dich finden kann und helfen!
    Ich war da noch in der Ausbildung, bin nun fertig als Heilpädagogin. Dein Erleben hat mir sehr bewusst gemacht, wie wichtig es ist die Kinder und die Familien nicht zu verurteilen, zu bewerten, zu meinen man steht darüber! Ihr seid Thema in meiner Schule gewesen, natürlich anonym.
    Einen Post hatte ich mir damals ja auch kopiert mit Deiner Erlaubnis. Weisst Du, dass der noch immer rumgeht und sooo wichtig ist?
    Alles Gute, auch wenn mal schlimme Tage kommen. Schreib es uns, ich fühl mich dafür mit zuständig. Ich kann ja eh nur durch Worte helfen
    Deine Anke

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  2. Bin gerade total platt ... komme ja hin und wieder nur hier lesen. Und dann eher zufällig. Daher wusste ich das alles noch gar nicht.
    Euer Weg war wirklich nicht leicht - unverständlich, dass Euch gerade von Leuten, die Euch beistehen sollten, Euch helfen und unterstützen, wo immer es auch geht, so böse mitgespielt wurde. Und vor allem auch dem Robert. Eingesperrt auf ein dunkles Klo ... unfassbar!
    Wie gut, dass es auch noch die andere Seite gibt. Menschen, die für Euch alle da sind. Zum Glück habt Ihr sie/ haben sie Euch gefunden.
    Liebe Elisabeth, Ihr seid eine großartige Familie - so viel konnte ich aus diesem Post herauslesen. Ich freue mich für Euch, dass Ihr jetzt so liebe Unterstützung habt und auch, dass Robert sich in der neuen Schule und der Tagesstätte so wohl fühlt. Das ist wirklich wichtig und einfach super schön.

    Liebste Grüße,
    Sonja

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  3. Robert ist auch ein "Offenbarer", der erst leiden muss, bis alle aufwachen, aufstehen, aufschreien!

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  4. Nun ist es gut, ich hoffe ja sehr, dass es so bleibt !
    Das so gar nichts passiert ist dort hab ich lang nicht verstanden, Und doch verstand ich Dich warum ihr nicht Anzeige gemacht hat. Für mich ist Robert dort misshandelt worden. Dieses ständig packen, die Arme verdrehen.
    Elisabeth, es ist gut, dass Du so viel Kraft hattest und nun sagst, es soll nicht mehr Macht über Eurer Leben heute haben. Wir werden alle mit hinschauen. Nun weiss ich auch, dass es Dinge gibt die man nicht für möglich hält.
    Na, hab's an Schnee? Wir noch nicht
    liebe Grüsse, Dei Christl

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  5. Liebe Elisabeth,
    ich kann mich auch noch gut an damals erinnern. Ich muss Christl recht geben. Für mich ist Robert damals auch misshandelt worden.
    Gut, dass dieser Spuk vorbei ist und Robert jetzt eine Schule und Tagesstätte gefunden hat, in der er sich wohlfühlt.
    Ich finde es bewunderungswürdig, dass eure Familie gemeinsam alles bewältigt und ihr zusammenhaltet.
    Einen schönen Mittwoch wünscht Dir
    Irmi

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  6. "Robert geht noch immer oft auf die Toilette, Robert schläft noch immer bis zu 2 Mal einfach ein am Vormittag" - das sind zwei Sachen, die ich nur unter grosser Aufregung mache bzw. wenn die Situation sehr anstrengend ist (was bei mir in der Schule nicht der Fall war, an der Uni wohl schon). Ich hoffe, es geht bald zurück!

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  7. es ist vorbei. vergessen wohl nie. weitergehen. gemeinsam. zusammen. hand in hand. mit herz und liebe und offenen augen und ohren - allen gegenüber, das machst du macht ihr gut. leider ist es nicht selbstverständlich, auch bei kindern ohne behinderung, in pädagogischen stätten welcher art auch immer, auf menschen zu stoßen, die ihren beruf aus liebe zu (sämtlichen) kindern machen und dementsprechenden enthusiasmus und engagement beweisen, das haben wir bei der kindergartenauswahl des wirbelwinds schon deutlich zu spüren bekommen und jetzt bei der auswahl der volksschule wieder - unserem ansuchen um sprengelwechsel wurde bis jetzt zugestimmt, der wichtigste stempel steht noch aus, wir hoffen das beste!
    liebe elisabeth! die wege sind oft niocht einfach, die das leben uns bietet, manchmal steinig und voller hürden - aber die meisten lassen sich mit liebe und ruhe aus dem weg räumen.
    alles liebe
    dania

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  8. Der erste Satz von Stefanie: Genau das ist es! Nicht alle schaffen es, auf so eine "Bedrohung" erwachsen und richtig zu reagieren. In Österreich kam in den letzten Jahren viel an die Öffentlichkeit, was Misshandlungen in österreichischen Kinderheimen und Schulen auf einer systematischen Basis betraf und immer noch betrifft. Es ist entwickelter Gesellschaften unwürdig und ich blieb mit diesen Informationen immer sprachlos und entsetzt zurück. Das Erbe unserer gewalttätigen Vergangenheit in Deutschland und Österreich lebt noch und wir können offensichtlich noch immer nicht darauf vertrauen, dass mit Kindern so umgegangen wird, wie es in der Kinderrechtskonvention niedergeschrieben ist. Papier ist geduldig...wir als Erwachsene sind gefordert... einer meiner Söhne wurde auch im Kindergarten ins dunkle Kammerl gesperrt und er redet heute immer noch davon. Wie sehr muss das ein Kind, das den Anpassungsdruck täglich emotional aushalten muss, in seinem Wert nicht gesehen wird belasten!!! Dass euer Robert nicht schlimmere Symptome zeigt ist vielleicht auf seine innere Stärke und sein großes Herz, seinen Mut, seine Ehrlichkeit und sein Durchhaltevermögen zurückzuführen. Und nicht zuletzt auf den großen Rückhalt und die Liebe seiner großartigen Familie. Ich möchte mich all meinen Vorschreibern anschließen, besonders auch Hesting und dir liebe Elisabeth versichern, dass wir euch lieben und gerne mitleben, um für euch und alle ähnlich Betroffenen die Welt ein bisschen besser zu machen und mitzuhelfen, dass solche Dinge nicht mehr geschehen können. Ich hoffe auch, dass die maßgeblichen Stellen immer wieder unsere Kommentare lesen und dass auch ihr Herz aufgeht...
    Alles Liebe in tiefer Verbundeheit
    Elisabeth

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  9. Ich freue mich zu lesen, dass es Robert und euch als Familie gut geht und hoffe so sehr, dass es diesmal von Dauer ist.

    Ja, ich erinnere mich an den Rauswurf und einige Sachen, die du damals schriebst. Auch an die Hoffnungen, die es gab und die dann doch wieder zerschlagen wurden. Viele Dinge habe ich als absolut unhaltbar empfunden ... und doch ist man hilflos in dieser Situation.

    Das mit dem Einschlafen am Vormittag macht mich gerade etwas unsicher. Weiß das Roberts Arzt? Liegt das an Medikamenten?

    Alles Gute für euch!

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  10. Ach du Liebe. Und wie ich mich erinnere an diese schlimme Zeit. Richtig mitgelitten habe ich und dieses Unrecht nie verstanden. Dass das schon zwei Jahre her ist... es ist noch so präsent.
    Ich schicke dir einfach ein paar liebe Grüsse und Gedanken rüber.

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  11. Hallo,
    ich bin schon sehr lange eine stille Leserin deines Blogs und bewundere immer
    eure Kraft und euren Zusammmenhalt. Eben beim Lesen dieses Beitrags kamen mir fast die Tränen. Ich wünsche Robert weiterhin, das er immer wieder
    bei euch Halt findet. Ich finde, ihr seid wunderbare Eltern.
    LG Inge

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  12. ...natürlich erinnere ich mich an die Zeit, liebe Elisabeth,
    und alles, was du damals darüber geschrieben hast...und ich bin sehr froh, dass ihr so gestärkt aus der ganzen Sache gegangen seid...ihr seid eine tolle Familie und euer Zusammenhalt kann viel bewegen...

    lieber Gruß von Birgitt

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  13. Sehr gut kann ich mich an diese Zeit erinnern und auch an unsere Gespräche. Gottseidank geht es jetzt in die richtige Richtung, richtige Richtung für Robert, das was ihm gut tut. Höre weiter auf Dein Herz und ich hoffe wir telefonieren bald noch mal. Habe mich gescheut anzurufen, da Du jetzt ja auch noch den Michael zu Hause hast und überall einspringst wo es sein muss.

    Bis bald, ganz, ganz liebe Grüße an den Rest der Familie
    Lydia ♥♥♥

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  14. Es war eine sehr schlimme Zeit....

    So schön, das ihr das geschafft habt! Gemeinsam und dann doch immer wieder auch mit guten und achtsamen Menschen.

    Sehr berührend.

    Ganz viele liebe Grüße und Wünsche senden wir zu euch
    die sterne

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  15. Liebe Elisabeth, schön zu lesen, das ihr "angekommen" seid und dass ihr eine Umgebung für Robert gefunden habt, in der er zurecht kommt.
    Ich drücke Euch ganz fest die Daumen, dass das so bleibt.

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  16. Ich habe zu der Zeit noch nicht bei dir gelesen, liebe Elisabeth. Nur ein wenig davon im letzten Jahr mit bekommen. Ihr seid wirklich eine starke Familie und du besonders. Ich verstehe dich sehr gut, wie viel Hilfe dir hier dein Blog und der Beistand sind.
    Alles Liebe Roswitha

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  17. Ich als nochnichtlangMama muss doch glatt mal ein paar Tränen mitweinen über das was da damals war. Wir als Blogleser haben ja nur ein winziges Stück erahnen können. Das was Robert und ihr erlebt habt darf einfach nicht passieren und ich freue mich soooo sehr, dass ihr alle wieder Lachen könnt und Robert trotz den Erlebnissen ein so toller Bub geblieben ist!
    Liebe Grüße

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