Sonntag, 29. Januar 2012

Was er so alles sagt ...


Jetzt schläft er.
Heute hat er den ganzen Tag geredet.
Ich werde das nun immerwieder aufschreiben, man vergisst doch so viel.
Frühmorgens, Robert mag wieder ganz allein Rühreier für uns beiden Grossen und vier Kinder machen. Das ging nun doch schön öfter schief. Also sagt der Michael: "Wir machen das heute zusammen!"

"Warum hab ich nur so schlimme Eltern, die ihrem Sohn nieeee was zutrauen?!"

*******
Mittagszeit, Robert kommt von seinem grossen Freund zurück, sie haben die Tauben gefüttert, das Taubenhaus sauber gemacht. Robert sieht aus, als ob er ein Feld umgepflügt hat. Wieder der Michael:
"Wie kann man es nur schaffen nach einer halben Stunde so dreckig wieder nach Haus zu kommen?"

"Du kannst ja mal mitgehen, dann zeig ich Dir das!"

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Nachmittags liegt er auf dem Teppich und redet mit sich selber. Mal laut mal leise, ich höre immer "das bestimme aber ich! Das kannst Du vergessen, dass ich einen anderen Namen mag!
Nachdem er ein paarmal so ähnliche Sätze sagt frag ich ihn:
"Mit wem redest Du da? Um was geht es eigentlich?"

"Ach, das kannst Du Dir nicht vorstellen. Ich werde ja mal Nachwuchs haben, und ich weiss ja nicht ob meine Frau dann einverstanden ist, dass mein Sohn dann auch "ROBERT" heissen wird. Und das übe ich nun, weil bestimmt macht die dann Stress!"

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Glaubt mir,  ich habe fluchtartig das Zimmer verlassen, der Michael hat es mitgehört, wir standen in der Küche und wussten nicht, wie wir uns das Lachen verbeissen sollten. Es ging nicht, wir mussten soooo lachen.
Michael sagt irgendwann "Wie kommt er bloss auf solche Ideen?" ... und dann schreit Robert aus dem Wohnzimmer:

"Könnt Ihr vielleicht mich selber fragen, ich bin doch auch ein Mensch. Und ich frag Euch sowieso gar nicht wie Eure Enkel heissen sollen, weil nach dem Robert krieg ich noch viel Nachwuchs!"

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Das kann man fast nicht niederschreiben wie komisch er manchmal ist. Und so altklug, oder auch "besserwisserisch". Und die Wörter die er oft sagt!  Hier spricht niemand vom "Nachwuchs" wenn die Enkel gemeint sind.
Oft ist es dann tatsächlich nicht möglich ein Gespräch aus solchen Robert-Aussagen zu machen. Er redet dann nicht weiter, und noch öfter haben wir tatsächlich das Gefühl, dass er es nicht so richtig kapiert was er da sagt. Am Freitag waren wir ja wieder bei einer Fachfrau, die sehr viel Ahnung von Autismus hat. Sie hat sich auch mit Robert unterhalten, und sie hat uns erklärt, dass er sich sehr viel antrainiert hat, zugehört wie wir das sagen, oder eben andere Menschen. Und dann kann er die Sätze im richtigen Moment einsetzen. Aber den Sinn versteht er oft wirklich nicht..... ganz schön kompliziert, oder?

Da fällt mir noch was ein. Wir sind am Freitag mit Michaels Navi gefahren. Auf der Autobahn sagt die nette Dame dann kurz vorm Autobahnkreuz:
"In dreihundert Metern links halten" ... dann: "In Hundert Metern links halten"  und da tönt es schon von hinten:

"Sag mir nicht, dass die Frau in Dein Navi ganz normal ist. Die hat keine Ahnung was passiert wenn wir auf der Autobahn links HALTEN"

uupsss! Da war auch mir wieder mal klar, dass auch ich manchmal ein bisschen was autistisches habe. Denn er ist mir zuvor gekommen, der Robert. Ich hab auch überlegt ??? was will Die?

Kommentare:

  1. Liebe Elisabeth,
    bei dem letzten Satz musste ich jetuzt echt lachen. Diese blöde "Navitante" hat uns schon so manches Mal zur Verzweiflung gebracht. Recht hat er, der Robert. Bestell mal liebe Grüße von mir ♥
    LG Sabine

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  2. Liebe Elsbeth, ja, wenn es nicht so traurig wäre, ich mußte auch schmunzeln, über den lieben Robert,

    ...über seine Gedanken und seine Zusammenhänge, er lebt damit und es ist ganz normal und wichtig für ihn, seine kleine Welt, mit vielen kleinen Mosaiken, die er sich bastelt und ihnen einen Sinn gibt, bemerkenswert seine Voraussicht, mit dem Namen Robert, wie wichtig es für ihn ist.

    liebe Elisabeth, danke für die Worte, ich werde noch schreiben in deine Richtung…

    liebe Grüße von Jasmin, ein Herz für Robert ♥

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  3. Schöne Abendlektüre, das. Kann mir mal wieder ein Schmunzeln nicht verkneifen.

    Eine gute Nacht Euch allen
    Trautel

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  4. Sehr schön. Besonders das mit dem Nachwuchs. ;-)

    Das mit dem Navi erinnert mich an die Wise Guys - in irgendeinen Text zwischen zwei Liedern geht es darum, dass sie sich ja schon lange kennen und sich kaum noch was zu sagen haben - da meldet sich im Auto dann auch schon mal das Navi "Bing ... es ist unheimlich langweilig bei euch." oder eben "In 500m links halten." ..."Guut, haben wir dann links gehalten, war's auch wieder nicht recht."

    Aber auf jeden Fall schön, mal etwas "ganz normales" und nicht so aufregendes von euch zu lesen!

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  5. Ihr Lieben, ich mag diese tollen "Robert-Sprüche". Ganz liebe Grüße, die Christiane

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  6. Ich mag den Robert, weil ich solche Gedanken als Kind auch gehabt und immer wieder laut ausgesprochen habe.

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  7. "... weil bestimmt macht die dann Stress!".... *pruuuust*
    Ja, da hätt' ich auch nicht an mich halten können!!!
    Da fragt man sich doch, wenn viele Sätze antrainiert/abgehört sind und die Kinder den richtigen Sinn oftmals nicht verstehen, WIE sie dann diese Sätze doch häufig im richtigen Moment von sich geben können... unglaublich. (Aber genau dieses Phänomen hab ich bei meinen 2 autistischen Jungs in der Schule auch schon erlebt ;-))

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  8. Ach Du Liebe,
    mein Großer bringt auch sagenhafte Sprüche, wo ich mich ernsthaft frage, wie er darauf kommt.
    Aber klar, er guckt sich das an, wie wir Eltern sprechen und dann macht er es nach.

    Meine Jungs haben ja auch "bitte" und "danke" sowie "Moin!" gelernt, weil sie es von mir vorgelebt bekommen und sehen, dass ich mit dieser Freundlichkeit sehr gut durchkomme und nett behandelt werde - also machen sie es nach und freuen sich über zurückgrüßende Mitmenschen und Verkäuferinnen, die dem so nett und ungekünstelt bitte sagenden Jungen herzlich gern ein Scheibchen Wurst schenken.

    Dieses "Mimikry", also das Aufschnappen von bestimmten Formulierungen und die Wiedergabe zum passenden Moment ist etwas, was wir doch alle betreiben. Auch noch als Erwachsene.

    Beispielsweise benehmen wir uns in Gesellschaft anders als daheim. Und damit wir nicht dumm auffallen, gucken wir uns das Verhalten und die Sprache der anderen an und versuchen, uns anzupassen. Und nur durch dieses Beobachten und Nachahmen funktionieren solche Muster wie höfliches Verhalten.

    Dass Robert eine eheliche Auseinandersetzung im stillen Kämmerlein übt, zeigt seinen Willen zur Anpassung, zum Nichtauffallen - und dass er daheim nicht in künstlicher Atmosphäre aufwächst, sondern dass Ihr Eltern Euch auch mal authentisch streitet und wieder versöhnt. Bestes Vorbild fürs reale Leben, denn auch streiten und versöhnen gehört dazu.

    Und zeigt Roberts Erkennen von Konfliktpotenzial und anderslautenden Meinungen nicht auch sehr positiv, dass er durchaus lernt und versucht, sich in die Gefühle von anderen hineinzuversetzen? Wenn ich das richtig gelernt habe, ist dies doch eine sehr schwierige Angelegenheit für Autisten (übrigens auch für erschreckend viele Nichtautisten!).

    Nee, der Junge ist schwer in Ordnung! Ihr könnt stolz sein auf ihn.

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  9. Robert kann Sätze im richtigen Moment einsetzen, ohne den Sinn zu verstehen?
    Wirklich ganz schön kompliziert. Hätte ich nicht gedacht, nachdem ich gelesen habe, was er alles gesagt hat.

    Liebe Grüße

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  10. Auch wenn es für euch sicherlich sehr oft schwierig ist, ich finde es faszinierend wie geradlinig Robert denkt. Er denkt total logisch, das scheint uns ja abhanden gekommen zu sein.

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  11. Liebe Elisabeth,
    ich musste gerade soooo lachen! Ich bin sicher, solche Momente sind es, die dich wieder aufrichten, dir wieder Kraft geben. Natürlich gibt es auch viel zu lachen - das ist wundervoll!

    Und, wenn man es sich mal richtig überlegt... Robert denkt wirklich sehr logisch... ;-)
    LG, dieMia

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  12. Abgesehen von all den Nöten, Schwierigkeiten, Ängsten und so, da ist es mit dem lieben Robert ganz sicher oft auch lustig.
    Ich bin beeindruckt, was er so sagt. Selbst wenn er wohl das eine oder andere nicht wirklich versteht. Wenn es zur Situation paßt, ist das schon klasse. Denke ich.
    Ich bin so froh, dass ihr alle nun eine Ärztin zur Seite habt, die Ahnung hat.

    Viele liebe Grüße an die Robert-Familie
    Oona

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  13. Lach... Das können sie gut, unsere besonderen Jungs. Uns einfach mal sprachlos machen, verbal umhauen. Weil keiner damit rechnet. Schön, dass ihr auch mal über Robert schmunzeln dürft.
    Und ja...die besonderen Kinder hören ganz genau hin und nehmen (fast) alles wörtlich. Da muss man wirklich aufpassen was man sagt.

    Ps: ist doch toll, dass der Robert eigene Kinder haben möchte :-) meiner sagt "ich will doch nicht heiraten, ich werd doch Astronaut!"

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  14. Herrlich! Ich musste mächtig lachen, beim Lesen hier.
    Schön, weider von Euch zu hören.
    Liebste Grüße
    Susanne

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  15. ich kringel mich vor lachen. so genial was robert manchmal von sich gibt :D. vielleicht wird er ja mal komiker. ich würde ihn buchen :D

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  16. Ich hab ja Robert auch schon zusammenhanglos reden gehört, aber das, was Du da niederschreibst, würde ich nicht in diese Kategorie einordnen. Der Einschätzung der Ärztin (?) mag ich mich daher auch nicht anschließen. Ist das dieselbe Person, die Euch das Strattera "aufgeschwatzt" hat?

    Wenn Du schreibst, der Robert habe Frühstück machen wollen: heißt das, er war heute gar nicht in der Schule? Was ist da schon wieder vorgefallen?

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  17. also, ich kann bislang da nichts Autistisches erkennen. Mit solchen Diagnosen wäre ich ohnehin extrem vorsichtig, genauso wie bei ADS. DA gibt es Ärzte, z.B. in Berlin, die sich darauf "spezialisiert" haben. Wenn man genauer hinterschaut sieht man den ganz großen Reibach, den die machen. Wenn da ganze Familien mit R*tal*n gedopt werden. Kein Wunder, wenn in solchen Familien nichts mehr normal läuft. Anstatt die lebensverhältnisse dieser Familien zu ordnen, den Tagesablauf und manches andere, wird mit giftiger Chemie behandelt und eine alberne Diagnose gestellt! Darüber bin ich jedesmal schockiert!

    Es gibt auch hochbegabte Kinder, die "anders" sind oder sog. Hochsensible. Die Bandbreite ist groß, aber Autist??? ;-)

    Herzliche Grüße
    Sara

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