Freitag, 28. Mai 2010

Engel beim Frühstück

Zur Zeit muss der Kaba in einem Glas serviert werden...mit Sonnenschirmchen!
Die beiden großen Tabletten sind schon brav geschluckt.
Robert: Mama, ich will nicht dass Du bald stirbst!
Mama: Hab ich ja auch nicht vor. Aber ich bin nicht der Bestimmer. Und wann der Liebe Gott das bestimmt, das weiss niemand.
Robert: Der soll das nicht bestimmen. Ich hab schon gebetet, dass er da nicht der Bestimmer sein darf. Mama, bist Du dann auch ein Engel?
Mama:Puh, weiss ich nicht. Aber ich wünsch mir des schon so irgendwie!
Robert:Ich verrat Dir was ich mach, wenn Du stirbst. Dann stirb ich auch. Ich will dann mit Dir in ein Grab und dann bin ich mit Dir ein Engel. Ich verrat Dir nicht wie ich dann stirb. (Mama kriegt einen Schreck!)
Mama:Nein, keiner soll was machen, dass er stirbt. Wenn Du dann noch lange
lebst, schau ich Dir zu und pass mit Deinen Schutzengel auf Dich auf. Ich kann ganz lang im Himmel auf Dich warten.
Robert trinkt Kaba und isst sein Brot.....mapf, mapf...
Robert:Ich kann nicht erst später im Himmel fliegen. Engel sehen doch alle gleich aus. Ich find Dich dann nieeeeeee.....(er fängt sehr zu Weinen an)
Mama mit Robert im Arm und Kaba am T-shirt:
Ach, ich weiss es doch nicht. Ich war ja noch nie tot. Aber wenn ich ein Engel bin, dann weiss ich ja, wann Du auch einer geworden bist, und
dann kenn ich Dich und dann lauf ich Dir entgegen.....
Robert:Also, wenn ich tot bin, dann schau ich erst noch so aus, mit Haare.... und dann ...Mama, macht der Petrus aus mir ein Engel? Und dann kommst Du und der Onkel Alfons auch und die Oma und... und ich geh dann zum Jesuskind, weil das ist auch ein Kind. Ich besuch Dich dann immer....aber ich spiel mit dem Jesuskind.
Mama versucht dieses Frühstückgespräch zu beenden:
Wir schaun mal was da kommt. Ich weiss es echt nicht. Aber schau, heute scheint die Sonne und Du hast Ferien. Ich glaub, jetzt lassen wir die Engel da oben in Ruhe und wir spielen nach dem Frühstück.
Robert: Ach, Mama. Jetzt ist doch nicht Nacht. Jetzt schlafen die Engeln alle da oben. Ich hab mir ja schon gestern im Bett gedacht, dass Du bald stirbst. Der Lisa ihr Baby ist so ein kleiner Engel. Des finden wir da im Himmel nieeeee! Des kann ja noch nicht fliegen und reden auch nicht.
Mama, darf ich jetzt aufstehn und die Jacky (Hund) rauslassen....

Robert ist draussen, ich sitze vor meinen kalten Kaffee. Wandere zum Computer und erzähl Euch mein Frühstücksgespräch....
Ich seh Robert auf dem Trampolin springen und er singt Halleluja...ganz laut.
Ja, alle Nachbarn kennen ihn, die meisten mögen ihn sehr. Und was Fremde denken ist mir jetzt egal. Meine große Frage ist: Wo kommen seine Gedanken her? Kann ich das so stehnlassen. Hab ich was falsches gesagt? Wir waren beim Frühstück, das Gespräch kam aus heiterm Himmel.
Was denkt dieses Kind bitte vorm Einschlafen.
Lieber Gott, danke, dass Susanne noch schläft. So Themen machen sie ganz fertig.
Ist das Autismus? Was spürt dieser kleine Kerl?
Wisst Ihr, was meine größte Angst ganz tief innen ist? Dass ich echt irgendwann viel zu früh für Robert einfach tot umfalle! Ich denk da viel drüber nach. Ich rechne mir immer aus, wie lange ich noch da sein sollte, damit Robert alt genug ist, ohne Mama weiterzuleben.....Ich war vor kurzem das 1.Mal richtig krank. Ich bin fast durchgedreht, wie es hiess eventuell Krankenhaus. Ich seh da nur diese riesigen braunen Augen vor mir.
So, und jetzt ist diese Angst nicht mehr tief in mir drin. Sondern richtig raus in die Welt. Gespürt hat er es ja wohl sowieso, warum auch immer.
Und nun wird erst mal weitergelebt. Raus in die Sonne. Die ist ja wohl momentan mehr weg wie mein Leben....
Bitte schreibt mir, wenn ich Euch überfordere.
Elisabeth
und Robert, der nun gerade mit Kaninchen im Trampolin hüpft....

Kommentare:

  1. Ach, liebe Elisabeth!!

    Ich denke, Robert verarbeitet den Tod seiner kleinen Cousine...und zieht Parallelen...was ein überaus wichtiges Verhalten ist!

    Du sagst ihm schon das Richtige...der Tod ist viel zu sehr Tabuthema in unserer Gesellschaft!
    Ich bin mir meiner unsterbliche Seele so sicher!!
    Mit meinem Noah hatte ich unlängst ein Gespräch über Wiedergeburt...es war so anregend, wie ein Kind das sieht...

    Der Gedanke, was sein wird, wenn wir einmal nicht mehr für unsere Kinder da sein können....ach, ach...ich weiß...aber dann schnapp Dir Deinen Sohn, genieße das Jetzt, gib Robert Lebenslust und Mut mit auf den Weg...und, bitte, rette das Kaninchen!!! ;-))

    Lass mir den Buben schön grüßen!!
    Engel erkennt man nicht an ihrem Äusseren, Engel er-spürt man!

    Liebe Grüße
    Barbara

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  2. Liebe Elisabeth,

    bei uns ist das auch immer wieder Thema. Ich könnte heulen, wenn Malte davon anfängt. Die Kinder sind doch noch so jung, man möchte sie vor diesen Gedanken bewahren, sie sollen glücklich sein und sich nicht solche Sorgen machen. Was sagt man einem Kind, wenn es fragt: "Stirbst Du auch?" Soll man es anlügen? Ich denke nicht, aber die Antwort fällt immer schwer, besonders, wenn man dabei mit den eigenen Tränen kämpfen muss. Stirbt der Papa? Die Oma? Bei uns steht jeder einzelne zur Frage. Die Hürden der Antwort sind schwierig zu umschiffen, aber machbar.

    Ich frage mich manchmal, was wäre aus meinem Kind geworden, wenn ich im Oktober pünktlich im Krankenhaus gewesen wäre? Ich war viel zu früh zu einem Termin, wäre das nicht so gewesen, ja dann gäbe es mich heute nicht mehr.

    Du siehst, diese Fragen stellt nicht nur Robert. Ich könnte eine Menge mehr dazu schreiben, ganz schwere Kost, das weisst Du ja selbst.

    Fühl Dich gedrückt und bestelle Robert einen lieben Gruß.

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  3. Hallo Elisabeth,
    da musste ich jetzt schlucken. Was für ein einfühlsamer kleiner Kerl!
    Der Tod, der ist ja so ein Thema für sich. Ich kann deine Gedanken so gut nachvollziehen. Als ich mit meinem Sohn schwanger war, wurde ich so schlimm krank, dass es mit "klinisch tot"
    endete. Ich hatte Glück, zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein und wurde gerettet. Ich hab aber schon mal über die Kante geguckt. So richtig einordnen kann ich das bis heute nicht, ich weiß nur eines: Als Mutter wird man wohl nur in Frieden sterben können, wenn man die Kinder gut versorgt weiß. Meine Tochter war damals 3 Jahre alt und ich bin mir sicher, sie war es, die mich am Leben erhalten hat. Ich wollte nicht sterben, weil sie mich so unbedingt brauchte. Ich hatte auch immer ihre kleinen Kulleraugen vor Augen und dachte immer nur: Halte durch. Den kleinen Sohn in meinem Bauch wollte ich auch so unbedingt kennenlernen.
    Das ist nun schon einige Jahre her, und meine Große hat immer noch viel Angst um mich. Tod der Eltern- das ist ja was, das man ausgrenzt.
    Tu ich auch, zum Glück hab ich meine Eltern noch.

    Ich freu mich an jedem Tag, den ich da bin.

    Die Vergangheit ist Geschichte, die Zukunft ein Geheimnis und dieser Moment ein Geschenk.

    Ich drück dich
    Michaela

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  4. Liebe Elisabeth, wer sich hier überfordert fühlt sollte besser einen andern Blog lesen. Das meine ich ganz ernst und nicht beleidigend, verletzend oder gar überheblich. Auch ich habe mal in einem Blog gelesen, und das Verhalten und Geschriebene der Autorin hat mich wütend gemacht, da hab ich den Blog einfach aus meiner Liste gestrichen.
    Außerdem finde ich persönlich, es sehr informativ wie und was Du schreibst. Mach nur weiter so, ich bin mit meiner Meinung bestimmt nicht alleine hier. In diesem Sinne: Weiter so und ein schönes Wochenende. Liebe Grüße, die Christiane

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  5. Oh, dieses Thema kenne ich nur zu gut. Meine 4 Kinder standen neulich am Zaun eines Steinmetzes und diskutierten, welches denn der schönste Grabstein für mich sei.

    Mein Jüngster teilte mir auch mit, daß es schon schade sei, daß ich so bald sterben müßte. Er habe deswegen neulich in der Nacht so geweint.

    Das Thema was wann wer wie in den Himmel kommt und wie man dann aussieht und wie man sich fühlt, das sind Themen, die immer wieder bei uns eine Rolle spielen.

    Liebe Grüße

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  6. Also, im Moment muß ich noch meine Gedanken zusammen kriegen. Das war sehr ergreifend, was ich grad gelesen habe. Da fällt mir die Geschichte von einem unserer Enkel ein, der weinend von der Schule nach Hause kam. Als seine Mama fragte, warum weinst du denn so doll, hat er gesagt: du stirbst...Daraufhin fragte sie, wie er denn darauf komme, denn so schnell stirbt man doch nicht, es sei denn , man hat einen ganz schweren Unfall gehabt oder so. Da sagte er vollkommen aufgelöst, aber Frau Soundso ( Lehrerin !!!! ) hat gesagt: Wer raucht der stirbt......Das gab danach ein interessantes Streitgespräch in der Schule..... Mein Enkel war da in der 1. Klasse. Ja, manches kann man auch anders sagen, oder ? LG Inge

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  7. So ähnliche Gespräche haben wir hier auch oft.
    Ich bin erstaunt und freu mich für Dich, das Robert so seine Gefühle ausdrücken kann.
    Mein großer kann das nicht, für ihn bin ich oder sonstiger einfach tot, wird gegebenenfalls ersetzt und fertig.
    Alles Liebe

    Beatrice

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  8. Kinder gehen mit dem Thema Tod grundsätzlich anders - natürlicher um, als wir Erwachsene.

    Meine Erfahrung ist, dass sie sehr gut mit Tod umgehen können, wenn alle in der Umgebung "gut" damit umgehen. Kinder sind neugierig und ich bemühe mich immer, entsprechend dem Alter des Kindes alle Fragen zu beantworten. Dabei versuche ich deutlich zu machen, dass alles stirbt und das das nicht schlimm ist, weil es ohne Tod kein Leben gibt. Wer nicht an den Himmel glaubt, kann versuchen den Tod auch an Hand des Kreislaufs der Natur zu erklären.

    Robert möchte nur eines: Immer und immer wieder hören, dass du ihn nicht verlassen wirst. Sein kognitives Verständnis vom Tod ist noch nicht weit ausgeprägt, aber er hat wohl eine Ahnung davon bekommen oder erlebt, dass jemand, der gestorben ist, nicht mehr wiederkommt.

    Da es für ein Kind in diesem Alter ganz schlimm wäre, wenn die Eltern nicht mehr wiederkämen, kann diese Angst sehr deutlich zu Tage treten.

    Hast du mal nachgefragt, wovor er sich fürchtet?

    Kennst du das Buch "Ente, Tod und Tulpe"?
    Mit wenig Text und aussagekräftigen Bildern taucht der Tod in diesem Buch als freundliche Gestalt auf. Das Buch eignet sich für Kinder und für Erwachsene - Kinder sollten es sich aber mit einer Vertrauensperson anschauen,damit man sofort erklären kann, wenn Fragen auftauchen.

    Ich finde es schön, wie du auf Roberts Gedanken und Fragen eingehst. Vielleicht ist das Buch auch was für Susanne, um ihr die Angst etwas zu nehmen.

    Herzlichst
    artista

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  9. Robert, du beeindruckst mich immer mehr.
    Grüße,Verena

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  10. Ich habe alle Eure Kommentare ein paar Mal gelesen, und es hat mich sehr beruhigt. Robert ist von all unseren Kindern der Einzige, der so drüber redet. Durch Eure Kommentare hat sich in mir etwas geklärt. Robert war schon oft mit auf Beerdigungen, und doch weiss man bei ihm nie wie es innen ausschaut. Heute morgen hat er also ein bißchen aufgemacht. Artista, das Buch werde ich kaufen. Danke für den Tip und auch die anderen Erklärungen. Das hilft auch Lisa weiter, Ihr 4jähriger Simon frägt oft nach dem Baby.
    Ich habe jetzt für jede von Euch eine Antwort. Laßt mich einfach Danke sagen. Es ist so schön und gut, dass es Euch gibt.
    Elisabeth

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  11. Ich lese erst heute. Und ich kann dir sagen, unser Großer (in 2 Wochen 6 Jahre) bringt mich mit seinen Gesprächen zum Thema Tod an die Grenze meines Verstandes. Erst war ich erschrocken, wie er spricht- habe mich wie du gefragt was da in ihm vorgeht. Habe mir dann aber versucht deutlich zu machen, dass Kinder keine kleine Erwachsenen sind, sie denken nicht dasselbe wie wir bei "schwerer Kost", sie verdrängen sie nicht- sie wollen alles wissen und fragen dann eben auch sehr genau und sehr ernst. das schöne ist aber- sie lassen sich auf unsere Erklärungen ein.
    Unser Sohn spricht auch davon, was es macht wenn ich tot bin. Dass er dann noch weiterlebt usw ...Und fragt auch wann wir Eltern sterben. Ich bin 26 und denke natürlich, dass ich heut und morgen nicht sterbe. Andererseits kann jeder heut oder morgen sterben- das macht mir mein Sohn durch seine Fragerei sehr präsent. Und so richtig wohl fühl ich mich dabei natürlich nicht.
    Er kommt zB von der Beerdigung eines Kaninches auf meine Beerdigung oder gar auf seine eigene.
    Er wollte auch wissen woran wir uns im Himmel erkennen. Und ich will das ehrlich gesagt auch wissen.
    Ich denke, wenn man normal mit der Thematik umgeht, sie zulässt ohne Ängste in den Kindern zu säen (aber auch nicht bagatellisiert)- dann kann das nicht so verkehrt sein.
    Ich finde das sehr toll, wie du auf ihn da reagiert hast.
    Neulich in einem Vortrag über Ängste wurde gesagt: Ängste sind Monster in einer Truhe, die kein Licht vertragen. Wir müssen sie hervorzerren.
    Vielleicht machen genau das unsere Kinder- sie machen das Richtige und zerren Sachen ans Licht. Auch wenns manchmal schwer fällt sich einzulassen, bin ich dankbar dafür- dass sie es tun.

    Wenn ich so mein Kommentar lese, klingt das alles etwas wirr. Wollte dir aber sagen, dass ich dich glaube zu verstehen

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